CL078 Ein Würfel-Universum: Die Millenium-Simulation und die Entwicklung des Kosmos
Shownotes
In dieser Folge nehmen wir euch zuerst mit in die österreichische Ballsaison, bevor wir uns die Entwicklung des kompletten Universums vornehmen. Nicht in Echtzeit, sondern simuliert. Wie man den ganzen Kosmos im Computer abbildet und was man dabei lernen kann, erklärt Eva in dieser Folge am Beispiel der berühmten Millenium-Simulation. . Unterstützt den Podcast gerne bei Steady, Patreon oder Paypal unterstützen!
Ballsaison
Zur Einleitug erzählt Elka vom Wiener Ball der Wissenschaften und Eva von ihren Erlebnissen in der Ballsaison.
Wie simuliert man ein Universum?
Wir knüpfen an die vorige Folge an, in der wir über numerische Methoden und die Entdeckung von Gravitationswellen gesprochen haben, und fragen: Wie simuliert man eigentlich etwas so Großes wie das Universum? Wir können ja die Entwicklung des Universums nicht einfach “live” beobachten, weil seit dem Urknall Milliarden Jahre vergangen sind. Wenn wir verstehen wollen, wie Galaxien, Galaxienhaufen, Filamente und gigantische Leerräume entstanden sind, bleiben uns im Wesentlichen Beobachtungsdaten plus Physik plus Computer.
Elka erzählt zuvor aber noch kurz von ihrer eigenen Simulationserfahrung aus der Medizinphysik: In ihrer Masterarbeit hat sie mit Monte-Carlo-Simulationen gearbeitet, um zu modellieren, was bei Protonenbestrahlung im Körper passiert, also im Kontext der Strahlentherapie. Dabei wird vieles probabilistisch und stochastisch beschrieben, weil man nicht jeden einzelnen Prozess deterministisch Schritt für Schritt verfolgen kann. Wer sich für das Zentrum interessiert, das Elka erwähnt, findet hier Infos: MedAustron.
Danach erklärt Eva, wie Simulationen in der Astronomie typischerweise aufgebaut werden. Am Anfang steht eine präzise wissenschaftliche Frage, weil wir die Realität immer vereinfachen müssen. Dann entscheiden wir, welche physikalischen Prozesse relevant sind und welche wir vernachlässigen dürfen. Anschließend übersetzen wir das Ganze in Mathematik und numerische Verfahren, diskretisieren Raum, Zeit und Materie und legen Anfangsbedingungen fest. Erst dann lassen wir den Computer rechnen, oft parallelisiert auf vielen Prozessoren. Und selbst dann ist die Simulation noch nicht das Ende: Wir müssen die Ergebnisse analysieren und mit Beobachtungen vergleichen, sonst ist das Ganze zwar hübsch, aber wissenschaftlich wertlos.
Die Millenium-Simulation
Eine der berühmtesten kosmologischen Simulationen überhaupt ist die Millennium-Simulation aus dem Jahr 2005. Die spannende Idee dabei ist, dass sie sich im Kern auf dunkle Materie fokussiert. Auch wenn wir nicht wissen, woraus dunkle Materie genau besteht, können wir ihr Gravitationsverhalten modellieren, und das reicht, um großräumige Strukturbildung nachzuzeichnen. Ausgangspunkt ist das Standardmodell der Kosmologie, das Lambda-CDM-Modell.
Das Virgo-Konsortium hat die Simulation unter Federführung des Max-Planck-Instituts für Astrophysik in Garching durchgeführt. Startpunkt war eine sehr frühe Phase des Universums, kurz nach der Entstehung der kosmischen Hintergrundstrahlung, inklusive der winzigen Dichteschwankungen, die als Keime für spätere Strukturen dienen. Statt das komplette Universum zu berechnen, wurde ein würfelförmiger Ausschnitt simuliert, zwei Milliarden Lichtjahre Kantenlänge, und die Masse wurde in viele “Teilchen” aufgeteilt, die jeweils für sehr große Materiepakete stehen. Damit das rechnerisch überhaupt geht, braucht es spezielle Algorithmen, die nahe Wechselwirkungen genauer und weit entfernte Beiträge effizient angenähert behandeln, nämlich TreePM und GADGET-2, und wer tiefer einsteigen will, findet das Paper als PDF dazu hier.
Das Ergebnis war beeindruckend: Die Simulation reproduzierte die großräumige Verteilung von Strukturen, also Filamente, Superhaufen und Voids, in einer damals unerreichten Realistik. Genau diese Art von kosmischem Netz ist es, die viele von uns schon als ikonische Visualisierung kennen. Wer direkt bei den Projektinfos schauen möchte, findet sie hier: Millennium Simulation Project (MPA) und als Projektseite des Virgo-Teams hier: The Millennium Project (Virgo). Für den historischen Kontext und weitere Links lohnt sich außerdem: ein Blick in die Wikipedia.
Auf das Millenium-Projekt sind diverse Nachfolgeprojekte und andere große Simulationen gefolgt, die später mit anderer Auflösung, anderen Parametern oder zusätzlicher Physik weitergemacht haben, etwa Illustris und Bolshoi.
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Transkript anzeigen
Evi: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Cosme Glatte.
Evi: Wieder mit mir Eva und diesmal Elka. Hallo Elka.
Elka: Hallo Eva.
Evi: Wie geht es dir? Das ist ja auch mit dir jetzt die erste Folge im neuen Jahr.
Evi: Also es ist ja schon der Jänner fast vorbei, wenn diese Folge ausgestrahlt wird.
Evi: Ich habe jetzt mit der Jana schon letztens aufgenommen, unsere erste Folge.
Evi: Da haben wir noch über Neujahrsvorsätze gesprochen, aber die sind ja mittlerweile fast passé.
Evi: Aber ich glaube im Jänner gibt es noch andere aktuelle Themen, oder?
Elka: Ja, bei mir ist das jetzt schon so lange her, dass wir aufgenommen haben,
Elka: dass ich fast mein Mikro nicht gefunden hätte, weil ich ziehe nämlich gerade um.
Evi: Ah ja, du bist ja übersiedelt oder bist noch dabei.
Elka: Ja, ich meine, wir sind jetzt schon länger in der neuen Wohnung,
Elka: aber alles ist noch in Kisten fast verpackt und das Mikro war auch noch verpackt.
Elka: Aber es wurde jetzt mal Zeit, das wieder auszukramen und im Betrieb zu sitzen.
Evi: Sieht man, es war ja nochmal Zeit, dass wir eine Folge hier aufnehmen.
Elka: Genau, genau. Ja, sonst geht es mir eh gut, eben Chaos.
Elka: Aber sonst eine besondere Sache, die gerade ansteht bei mir ist,
Elka: dass ich Ballbotschafterin bin, den Wiener Ball der Wissenschaften.
Elka: Hast du das schon mal gehört?
Evi: Ja, natürlich, den Ball der Wissenschaften kenne ich. Der Jänner ist ja die Ballsaison.
Evi: Also da finden ja im ganzen Land die verschiedensten Bälle statt und der Ball
Evi: der Wissenschaften ist einer von denen.
Evi: Gehst du öfters auf Bälle oder ist das für dich was Besonderes?
Elka: Nein, schon was Besonderes. Das letzte Mal war ich am TU-Ball.
Elka: Und das war, glaube ich, während meinem Bachelorstudium, also sicher schon über
Elka: zehn Jahre her, über zwölf, dreizehn Jahre her.
Elka: Und ich hatte auch gar kein Ballkleid mehr, das mir passt.
Elka: Also das war jetzt ein bisschen Action und mein Freund hat so ein,
Elka: kein Frack, ein Smoking hatte sich besorgen müssen, genau.
Elka: Aber es ist recht cool, ich bin schon sehr gespannt. Bist du öfter auf Bälle oder ihr?
Evi: Wenn wir jetzt das hier aufnehmen, ist ja dein Ball noch in der Zukunft mein
Evi: Ball. ist schon in der Vergangenheit, also ich war als letztes Wochenende bei
Evi: uns auf dem Ball der Stadt, beim Ballroyal und ja, also ich habe das schon ganz gern.
Evi: Einmal im Jahr finde ich das ganz nett, auf ein, zwei Bälle zu gehen und bei
Evi: uns ist das halt schon auch immer, es ist im,
Evi: Casino, da ist es wirklich sehr groß, auch auf drei Ebenen, mit verschiedenen
Evi: Sälen, die du da hast und es hat schon etwas, ja, also ich mag das auch dann,
Evi: sich das einmal im Jahr, ich meine, zwar mein Ballklett ist sehr klein mittlerweile, also eng,
Evi: aber ich bin stolz auf, dass es mir noch passt, aber es ist wirklich so ein
Evi: klassisches Baldkleid, so ein Korsagekleid und das hat halt auch wirklich so
Evi: diese Metallverstrebungen.
Evi: Drinnen, damit es halt wirklich so schön Korsage-artig ist und es ist wunderschön,
Evi: es gefällt mir noch immer sehr gut, aber es ist auch
Evi: etwas unbequem zu tragen. Und ich bin dann immer ganz froh, wenn wir dann wieder
Evi: nach Hause kommen und ich kann das Kleid wieder ausziehen und es ist alles gemütlich.
Evi: Aber ich mag das schon ganz gerne, also dieses dann alles Walzer,
Evi: wenn es dann der Ball eröffnet ist, das finde ich dann schon ganz schön.
Evi: Und einer meiner Lieblingsbälle, der kommt jetzt erst im Februar, ist ja die Redoute.
Evi: Der ist allerdings immer am Rosenmontag. Das heißt, es ist am nächsten Tag dann
Evi: immer ein normaler Arbeitstag.
Evi: Aber den finde ich recht nett, weil da ist die Tradition, dass man vor Mitternacht
Evi: eine Maske trägt, also quasi da verhüllt ist, dass man nicht erkennbar ist, wer man ist.
Evi: Und dann quasi zur Mitternacht lässt man dann die Maske fallen.
Evi: Ich finde das ganz nett, das ist ein sehr schöner Ball auch bei uns.
Elka: In Baden.
Evi: Ja genau, der ist in Baden. Aber ich glaube, diese Redoute-Bälle gibt es überall.
Evi: Also das ist, glaube ich, kein Badending.
Evi: Aber du, bevor wir jetzt noch starten in unser heutiges Thema,
Evi: musst du mir noch sagen, was macht man denn als Ballbotschafterin?
Elka: Also nicht sehr viel, muss man sagen. Naja, es geht einfach darum,
Elka: dass man sich so eine Ballbotschaft überlegt, also eine Botschaft,
Elka: die man über die Wissenschaft nach außen tragen will.
Elka: Und meine Ballbotschaft, die war natürlich, dass die Wissenschaft in die Mitte
Elka: der Gesellschaft gehört und nicht in einen Elfenbeinturm und dass ich die Wissenschaft
Elka: den Menschen nahe bringen möchte.
Elka: Und genau, es gibt noch ein paar andere BallbotschafterInnen,
Elka: die kommen jetzt nicht alle so aus der Naturwissenschaft, sondern es ist auch
Elka: zum Beispiel eine Schriftstellerin dabei, also Wissenschaft so im großen Sinne natürlich.
Elka: Das Coole ist, sie werden halt eingeladen auf das Ticket und haben einen Empfang
Elka: mit dem Bürgermeister und so, also das ist recht cool und dafür haben wir Social
Elka: Media Videos aufgenommen und einfach dem Ball so mehr Öffentlichkeit gegeben.
Evi: Okay.
Elka: Aber ich denke mir, unsere deutschen HörerInnen denken sich,
Elka: was ist mit diesen Leuten?
Elka: Ball, Bälle? Das klingt alles so alt hergebracht, aber in Wien ist das oder
Elka: in Österreich ist das relativ normal, dass man auf Bälle geht.
Evi: Glaubst du, dass das in Deutschland nicht so verbreitet wird?
Elka: Nein, glaube ich nicht. Nicht einmal, selbst jetzt so am Land sozusagen,
Elka: ist das ja gar nicht so verbreitet.
Evi: Dass man auf Bälle geht. Es hat so ein bisschen K&K-Touch natürlich.
Evi: Also ich meine, der Wiener Opernball, der ist ja schon sehr bekannt.
Evi: Aber wenn du da jetzt eine Botschaft hast, musst du dann quasi den Ball auch eröffnen? Nein, oder?
Elka: Nein, das wäre lustig. Einer von den Botschaftern, der hat auch so gesagt,
Elka: müssen wir dann tanzen? Also eröffnen mit einem Tanz?
Elka: Da haben wir ihn ein bisschen verorscht, aber nein, müssen wir nicht.
Elka: Ich kann nicht tanzen, muss ich sagen. Vielleicht sollte ich mal Walzer üben,
Elka: aber sonst kann ich nichts.
Evi: Ja, genau. Einen Tanz sollte man schon tanzen. Aber habt ihr da irgendwie so
Evi: einen Einmarsch oder sowas? Also ich war jetzt eben bei dem Ball von uns, von der Stadt.
Evi: Und in meiner Funktion als Gemeinderätin sind wir dann eben schon alle zusammen
Evi: mit Bürgermeisterinnen und Vertretern aus Land.
Evi: Und die da eben, also die Ehrengäste, sind wir dann auch einmarschiert dann
Evi: bei der Eröffnung. Also weiß ich nicht, wenn du da so eine offizielle Funktion
Evi: hast. Nein, nein, das müssen wir.
Elka: Na, gar nicht. Wir werden nur den Abend genießen. Es gibt voll viel Rahmenprogramm von Experimenten.
Elka: Und ich glaube, der eine Botschafter, der ist Italiener und hat diesen alternativen
Elka: Nobelpreis, dieser IK-Nobelpreis gewonnen für irgendeine Forschung über Pasta.
Elka: Und ich glaube, er wird Pasta machen. Also es gibt voll viel Rahmenprogramm,
Elka: aber ich bin nicht Teil davon. Ich muss da nichts machen.
Evi: Okay, sehr gut. Das ist gut.
Elka: Ja, und bevor ich dich jetzt, Eva, frage, was du heute für ein Thema mitgebracht
Elka: hast, gebe ich uns ein bisschen Zeit zum In-Uns-Kehren und sage gleich die Werbung an.
Elka: So, wir sind wieder zurück und ich bin jetzt eben sehr gespannt,
Elka: was du mitgebracht hast.
Elka: Ich habe schon eine Vermutung, du hast gemeint, das könnte was so in Richtung
Elka: auch so meinem Bereich mit Simulationen und Informatik sein.
Elka: Was genau ist denn dein Thema heute?
Evi: Ich bin jetzt schon wirklich sehr gespannt, also ich freue mich sehr auf das Thema heute,
Evi: was nämlich du auch dazu sagen wirst, ob du da vielleicht auch den einen oder
Evi: anderen Input hast für uns, weil in der letzten Folge, Kosmärkte 77,
Evi: habe ich mit Diana über numerische Methoden gesprochen und eben die Bedeutung in der Astronomie.
Evi: Und da ganz speziell haben wir auch gesprochen über die Entdeckung von Gravitationswellen
Evi: und wie man das eigentlich entdecken konnte aufgrund von diesen numerischen Methoden.
Evi: Und das ist ja alles immer sehr nah an Simulationen, Programmieren, Informatik.
Evi: Und deswegen habe ich mir gedacht, dass das ein Thema ist, das dir vielleicht
Evi: auch sehr gut gefallen könnte.
Evi: Ich bin schon gespannt. Also mich interessiert dann auch, ob du davon überhaupt
Evi: schon mal gehört hast, von einer ganz speziellen Simulation,
Evi: von der ich da heute sprechen werde. In der Astronomie, das finde ich ja das Spannende.
Evi: Wir stellen uns ja ganz große Fragen immer. Also wir fragen uns,
Evi: warum das Universum so aussieht, wie es aussieht.
Evi: Wie ist das, dass Galaxien und Galaxienhaufen so organisiert sind?
Evi: Wie kommt es zu diesen gigantischen Filamenten, dieses kosmische Netz und auch
Evi: diese gigantischen Leerräume natürlich, die da dazwischen sind?
Evi: Wieso schaut das alles so aus, wie es ausschaut?
Evi: Warum hat es sich so entwickelt nach dem Urknall?
Evi: Und das sind halt wirklich so diese riesigen, großen Maßstäbe des Universums,
Evi: die wir uns eigentlich sowieso nicht mehr vorstellen können.
Evi: Wir haben jetzt natürlich keine Möglichkeit, die Entwicklung des Universums in echt zu beobachten.
Evi: Also eben seit dem Urknall sind ja doch 14 Milliarden Jahre vergangen.
Evi: Also da können wir jetzt nicht schauen, okay, was passiert.
Evi: Wir haben da jetzt unsere Beobachtungen, aber da jetzt natürlich zu schauen,
Evi: okay, wie sich die Sachen entwickelt haben, warum genau solche Strukturen entstehen.
Evi: Also da haben wir eigentlich nur eine Möglichkeit und das sind natürlich Computersimulationen.
Evi: Da gibt es eben in der Astronomy wirklich sehr viele. Also das ist etwas,
Evi: was sehr oft gemacht wird und gebraucht wird auch, um Antworten zu finden auf Fragen.
Evi: Da ist natürlich jetzt eine Frage, wie simuliert man denn jetzt ein komplettes
Evi: Universum, weil das ist ja doch recht groß, wie packe ich das jetzt in einen Computer?
Evi: Da kann man jetzt natürlich sagen, okay, wir haben jetzt eben die realen Beobachtungsdaten
Evi: und wir wissen da jetzt so den Zustand vom Universum, haben unsere Naturgesetze
Evi: und unsere Theorien, Hypothesen, wie das alles entstanden ist und das packen
Evi: wir alles in den Computer und dann schauen wir mal, was passiert.
Evi: Das klingt jetzt immer so einfach und tatsächlich ist das recht komplex und
Evi: man muss sich da auch im Vorfeld einfach schon ein paar Sachen überlegen.
Evi: Also man kann ja nicht einfach das so reinschmeißen in den Computer und dann
Evi: mal schauen, was da passiert. In der Astronomie geht man da jetzt speziell vor.
Evi: Jetzt weiß ich nicht, wie weit bist du mit so Simulationen vertraut?
Evi: War das bei dir in der Ausbildung ein Thema?
Elka: Ja, ich habe meine Masterarbeit sogar über eine Simulation geschrieben.
Evi: Super, spannend.
Elka: Ja, nämlich nicht das ganz Großen, wie jetzt in der Astronomie,
Elka: sondern eine Simulation über das ganz Kleine, nämlich über Bestrahlungen.
Elka: Also wir haben simuliert, was passiert im Körper, wenn er mit Protonenstrahlung
Elka: beschossen wird, also für die Krebstherapie, für die Strahlentherapie.
Elka: Das waren sogenannte Monte-Carlo-Simulationen. Du kannst jetzt nicht das Ganze
Elka: deterministisch simulieren. Es passiert A und B und dann C, sondern es ist immer
Elka: eine Stochastik und Wahrscheinlichkeitstheorie dahinter.
Elka: Das war so ein Programm, wo ich da mit diesen Simulationen gearbeitet habe und
Elka: für dieses neue, damals recht neue Forschung und Medizinische Zentrum in Wiener
Elka: Neustadt mit Austron da ein paar Simulationen gemacht habe.
Elka: Ich bin jetzt keine Expertin deswegen in dem Bereich.
Elka: Ich habe auch nur Sachen angewendet. Da habe ich mich ein bisschen rumgespielt
Elka: mit beiden und diesen Monte Carlo-Simulationen.
Evi: Ja, in der Monte Carlo haben wir auch kurz angesprochen in der letzten Folge mit der Jana.
Evi: Da bin ich jetzt gespannt, inwieweit du da Parallelen dann findest,
Evi: wenn ich dir jetzt von den astronomischen Simulationen erzähle.
Evi: Ich nehme mal an, dass...
Evi: Die Schritte oder die Techniken ähnlich sind, aber wahrscheinlich geht man vielleicht
Evi: ein bisschen anders ran. Ich meine, am Anfang steht immer eine konkrete wissenschaftliche Frage.
Evi: Das ist eine der Voraussetzungen, dass du wirklich ganz klar deine Frage formulierst,
Evi: dass du dann halt eine sinnvolle Simulation aufsetzen kannst.
Evi: Du musst ja dann die Prozesse auch vereinfachen bis zu einem gewissen Grad.
Evi: Du musst es ja dann auf bestimmte Parameter oder sowas einschränken.
Evi: Das heißt, du brauchst halt dann wirklich die Frage, okay, was schaue ich mir
Evi: jetzt genau an? wie Galaxien entstehen oder wie kollidieren schwarze Löcher.
Evi: Wie entwickeln sich Planetensysteme und anhand von dem gehst du dann eben weiter
Evi: und machst eine Modellbildung.
Evi: Okay, für meine Frage, was für Prozesse sind da jetzt wichtig,
Evi: physikalische Prozesse und welche kann ich eben vernachlässigen?
Evi: Also bei uns ist es halt dann sowas wie die Gravitation, die eigentlich immer
Evi: dabei ist, aber habe ich eben auch Hydrodynamik bei Gasbewegungen,
Evi: Strahlungstransporte oder relativistische Sachen, also Relativitätstheorie.
Evi: Was muss ich alles beachten?
Evi: Magnetfelder oder Chemie? Also da gibt es ganz viele Sachen,
Evi: wo ich dann im Schaum sage, okay, gut, wie modelliere ich das jetzt?
Evi: Wie bringe ich das dann am besten rein?
Evi: Was ich da jetzt alles habe? Was spielt da alles eine Rolle?
Evi: Und dann muss man das natürlich übersetzen.
Evi: Also du hast dann deine Physik, da musst du dann deine Gleichungen finden.
Evi: Also bei der Gravitation ist es dann hauptsächlich eben die sogenannte Poisson-Gleichung.
Evi: Und da wird es dann bei euch wahrscheinlich auch verschiedene Sachen geben,
Evi: oder wird das dann quasi übersetzt, oder?
Elka: Ja, also ich meine, wegen der Auswahl von den Naturgesetzen,
Elka: die wichtig sind, das ist vielleicht am Anfang, denkt man da gar nicht dran,
Elka: aber das ist natürlich klar, dass der Computer nicht alle Naturgesetze der Physik
Elka: kennt und da muss man eben genau sagen, was ist wichtig.
Elka: Bei uns war es zum Beispiel so, das waren meistens so Bibliotheken,
Elka: die habe ich halt importiert mit Python und da hat dann sozusagen mein Programm
Elka: gelernt, wie Alpha-Strahlung und Beta-Strahlung und so weiter funktioniert.
Elka: Das heißt, das ist halt auf meinem Niveau sehr einfach gewesen,
Elka: weil ich dann sehr viel einfach benutzt habe oder sehr viel läuft einfach im
Elka: Hintergrund irgendwie mit und da muss man sich dann gar nicht mehr so darum
Elka: kümmern, wenn man das nur auf diesem Niveau macht. Und ich glaube,
Elka: das ist auch der Grund, warum...
Elka: Nicht alles InformatikerInnen sind, die daran arbeiten, weil sehr viel ist halt
Elka: schon so automatisiert oder einfach so vereinfacht bei diesen Simulationen,
Elka: dass du für die Anwendung musst du jetzt auch nicht selber alles programmieren
Elka: können, sondern ja, es reicht, glaube ich, wenn du zumindest InformatikerInnen
Elka: in der Nähe hast und die du tragen kannst, aber selber brauchst du jetzt auch
Elka: nicht unbedingt eine Ausbildung.
Evi: Also bei uns in der Astronomie ist das eben schon so, dass aufgrund der Fragestellungen
Evi: das dann oft so speziell ist, dass du natürlich ähnliche Lösungen hast.
Evi: Also du kannst dir dann schon sagen, okay, das und das.
Evi: Aber in Wahrheit musst du halt dann schon immer wieder die Programme anpassen
Evi: und dann schreiben und dass das halt dann eben zu deiner Fragestellung auch passt.
Elka: Anpassen eh, aber dafür musst du keine Informatik studieren, meine ich.
Elka: Also das machen bei euch ja auch Leute, die jetzt nicht Informatik studiert
Elka: haben, sondern sozusagen nur unter Anführungszeichen Astronomie.
Evi: Ja, programmieren muss man trotzdem können. Also das ist halt part of the game,
Evi: sage ich jetzt einmal so.
Evi: Vor allem, weil die Sachen analytisch nicht mehr lösbar sind.
Evi: Das heißt, du musst dann eben in die numerischen Methoden gehen und da brauchst
Evi: du halt dann genau die Sachen.
Evi: Ja, und ein wichtiger Punkt, das ist der Nächste. Du musst das alles dann diskretisieren.
Evi: Also du musst das dann alles in, weil jetzt der Computer eben jetzt nicht so
Evi: diese Felder kontinuierlich rechnen kann, musst du das alles jetzt eigentlich
Evi: ein bisschen, ich sage jetzt unter Anführungszeichen, zerlegen oder zerschneiden.
Evi: Wenn du den Raum hast, du so eine Art Gitter anlegen oder Teilchen, je nachdem.
Evi: Eben Zeit ist auch so etwas, du definierst ja dann eben Zeitschritte,
Evi: die Materie, die du hast, sind dann eben einzelne Einheiten und je nachdem hast
Evi: du dann eben auch die unterschiedlichen Ansätze, also das sind dann eben Teilchenmethoden,
Evi: wo du halt Endkörper hast, das wird wahrscheinlich bei dir dann auch der Fall
Evi: sein, eher solche Sachen.
Elka: Ja, bei uns heißt das Voxel, nennen wir das immer, also so wie Pixel, nur halt eben Raum.
Elka: Das sind die Voxel in dem kleinen Punkt, das berechnet wird.
Evi: Da hast du natürlich auch an jeder Zelle deine Dichte, Temperatur, Geschwindigkeit.
Evi: Und dann brauchst du halt deinen Algorithmus, deinen numerischen Algorithmus,
Evi: der dann halt das konkrete Rechenverfahren ist.
Evi: Das ist halt dann eben wirklich je nachdem, was du halt dann für eine Aufgabe hast.
Evi: Das sind dann halt eben die Sachen, die schon natürlich vordefiniert sind,
Evi: wie du zum Beispiel Differenzialgleichungen löst.
Evi: Da gibt es halt dann verschiedene Integrationsverfahren numerische,
Evi: die man da anwenden kann. oder eben diese Poisson-Gleichung,
Evi: die ich vorhin erwähnt habe, die ist ganz wichtig, eben gerade was die Gravitation
Evi: betrifft, ist das sehr wichtig.
Evi: Da gibt es auch verschiedene Methoden. Das heißt, eigentlich übersetzt du da
Evi: deine Fragestellung immer weiter in mathematisches Problem und dann brauchst
Evi: du natürlich noch eine Anfangsbedingung.
Evi: Du brauchst halt dann quasi eine Startbedingung, die du festlegen musst.
Evi: Beim Beispiel, was ich mitgebracht habe, werden wir uns das dann eben genauer
Evi: anschauen, was das eben ist. Das ist ja bei Planeten zum Beispiel,
Evi: weil es jetzt die Anfangsposition und die Masse natürlich von deinen Körpern, die du hast.
Evi: Und dann lässt du den Computer mal rechnen. Das kann jetzt eben von Sekunden,
Evi: Stunden bis hin zu Tage oder Monate dauern, je nachdem, wie groß das ist.
Evi: Wie groß das ist, hast du dann eben auch Parallelisierungen.
Evi: Das heißt, du verteilst dann deine Aufgaben, weil es dann eben schon zu viel
Evi: von der Rechenleistung vereinen wäre.
Evi: Und wenn du dann das Ergebnis hast, also die Simulation, das ist ja noch nicht
Evi: ganz das Ergebnis, musst du es ja dann auch noch analysieren können.
Evi: Das heißt, du musst dann eben schauen, okay, ist das, was ich jetzt herausbekommen habe?
Evi: Ist das quasi das reproduziert, was die reale Welt mir auch zeigt?
Evi: Kann ich da jetzt eine überprüfbare Vorhersage machen oder eben nicht?
Evi: Bei uns jetzt in der Astronomie hast du dann Teleskopdaten oder eben von verschiedenen
Evi: Durchmusterungen-Service-Spektren hast du dann Daten,
Evi: die da sind und dann musst du eben schauen, okay, in einer Simulation,
Evi: die jetzt entstanden ist, passt das mit dem überein oder nicht?
Evi: Sonst stimmt das ja nicht, also sonst ist eine Simulation nicht gut.
Evi: Es muss natürlich der Natur, die Naturgesetze und dem, was sie ist,
Evi: dann entsprechen, damit du eben deine Theorie testen kannst.
Evi: Eine Simulation, die das eben gemacht hat, die ist zwar schon ein bisschen älter,
Evi: aber es ist eine ganz besondere, eine kosmologische Simulation.
Evi: 2005 wurde das Ergebnis veröffentlicht und das war jetzt die Millennium-Simulation.
Evi: Also mir gefällt dir der Name an sich schon total gut.
Elka: Die aber nicht 2000, im Jahr 2000 war.
Evi: Naja, also 2005 haben sie die Ergebnisse veröffentlicht. Ich nehme mal an,
Evi: dass sie schon ein bisschen länger daran herumgearbeitet haben.
Evi: Das Virgo-Konsortium war das, das ist Führung unter dem Max-Planck-Institut
Evi: für Astrophysik in Garching bei München und mit Teams zusammen aus Großbritannien,
Evi: Kanada, Japan und der USA, die sich das eben angeschaut haben.
Evi: Die sind halt einer ganz, ganz großen Frage nachgegangen.
Evi: Und zwar nämlich wirklich jetzt, wenn du jetzt ausgehst, eben vom frühen Universum,
Evi: kurz nach dem Urknall, wie haben sich jetzt wirklich diese großräumigen Strukturen
Evi: entwickelt, die wir jetzt kennen, die wir jetzt sehen.
Evi: Spannend finde ich dabei auch, sie sind jetzt nicht davon ausgegangen,
Evi: quasi von heute, also nicht mit fertigen Galaxien gestartet,
Evi: sondern ihre Ausgangslage war kurz nach dem Urknall.
Evi: Und dann haben sie sich eben angeschaut, okay, wie entwickelt sich das alles?
Evi: Wie kann sich das entwickeln? ja oder warum eigentlich diese Strukturen so,
Evi: wie wir es kennen.
Elka: Und da gibt es ja dann sicher ganz viele Möglichkeiten, wie es sich hätte entwickeln können.
Elka: Haben die sich dann alle möglichen Szenarien angeschaut?
Evi: Das ist das jetzt, wo ich eben sage, okay, welches Modell bildest du ab oder
Evi: machst du überhaupt? Wie näher ist doch dem Ganzen?
Evi: Und sie sind eben auch davon jetzt ausgegangen, okay, was wissen wir?
Evi: Also wir wissen jetzt eben, dass nach dem Urknack, aber es sind jede Menge Wasserstoffatome,
Evi: ein bisschen Heliumatome, dann hat es ein paar Mengen Lithium und Peryllium
Evi: gegeben, Energie, aber sonst war jetzt nicht wirklich viel. Das heißt,
Evi: diese ganzen Sterne, Galaxien, Galaxien, Haufen, alles, das wir kennen, das war ja noch nicht da.
Evi: Jetzt kannst du jetzt eben nicht ein Programm schreiben, wo du jetzt diese ganzen
Evi: Atome hast und die lässt du jetzt dann laufen und wartest, bis du jetzt im Stern
Evi: und Galaxien wirst. Also das funktioniert so nicht erst.
Evi: Einerseits wäre es zu kompliziert und wahrscheinlich wäre es auch kein Computer
Evi: auf der Welt in der Lage, dass er wirklich alle Atome da irgendwie gleichzeitig
Evi: simulieren kann, die da jetzt beim Urknall entstanden sind.
Evi: Das heißt, dann hast du ja auch noch diverse andere Vorgänge,
Evi: also eben von nuklearen, chemischen, elektromagnetischen, gravitative Kräften.
Evi: Also das sind halt ganz viele Vorgänge, die gleichzeitig passieren und bei einer
Evi: unvorstellenden Menge an Atomen.
Evi: Das heißt, das kannst du jetzt eben so nicht machen, dass du da alles da reinpackst
Evi: und dann lässt du das mal laufen.
Evi: Deswegen braucht man da halt einen bestimmten Ansatz, den man da wählt.
Evi: Und was ich jetzt noch nicht erwähnt habe, ist, wir wissen ja auch,
Evi: dass es am Anfang des Universums ja jede Menge dunkler Materie gegeben hat,
Evi: die jetzt eben hauptsächlich wirkt über die Gravitationskraft.
Evi: Die Grundlage ist dieses Lambda-CDM-Modell, das ist das kosmologische Standardmodell
Evi: und nachdem hast du dann ja eben auch diese 5% baryonische, also gewöhnliche Materie,
Evi: 25% dunkle Materie, das ist das
Evi: CDM in dem Modell, also das ist Cold Dark Matter und 70% dunkle Energie.
Evi: Die haben das jetzt eben als Ausgangsbasis auch genommen. Also wir wissen jetzt
Evi: eben von diesen Beobachtungsdaten, dass eben 85 Prozent aller Materie dunkle
Evi: Materie eigentlich ist.
Evi: Und die wechselwirkt jetzt eben nicht mit elektromagnetischer Strahlung,
Evi: aber eben über die Gravitationskraft.
Evi: Und jetzt könntest du vielleicht sagen, wir wissen jetzt aber nicht, was dunkle Materie ist.
Evi: Das heißt, wie machen wir das? Wie können wir das jetzt genauer anschauen?
Evi: Stimmt, also wir wissen jetzt noch nicht, was für Teilchen das sind,
Evi: die sich da jetzt hinter dem Begriff der dunklen Materie verstecken.
Evi: Aber das stört uns jetzt eigentlich auch nicht weiter, weil es ja eben über
Evi: die Gravitationskraft wechselwirkt. Und das ist das, was wichtig ist.
Evi: Und das ist auch das, was die gemacht haben bei der Simulation.
Evi: Sie haben nämlich genau die dunkle Materie ins Zentrum ihrer Simulation gesteckt oder gestellt.
Evi: Weil da wissen wir eben, dass da recht viel war. Und deswegen hat sich auch
Evi: die Simulation auf diese dunkle Materie beschränkt.
Evi: Was ziemlich smart ist, weil du dann hauptsächlich dich um die Gravitationskraft
Evi: nur unter Anfangszeichen kümmern musst. Also ich habe ja vorhin ja gesagt,
Evi: dass du jetzt ganz viele Sachen, physikalische Prozesse berücksichtigen müsstest.
Evi: Und so hast du halt hauptsächlich die Gravitationskraft, die du da in deinem Modell hast.
Evi: Okay, es ist aber jetzt trotzdem noch immer ein Riesending, also du kannst jetzt
Evi: trotzdem noch nicht das ganze Universum da reinpacken.
Evi: Das heißt, was haben die gemacht? Du schaust dir natürlich einen Ausschnitt an.
Evi: Das heißt, sie haben jetzt eigentlich einen würfelförmigen Ausschnitt gemacht
Evi: mit einer Kantenlänge von zwei Milliarden Lichtjahren, was jetzt auch nicht wenig ist.
Elka: Einer.
Evi: Genau, ja, also so einen Würfel gemacht. Da in diesem Würfel mit deiner dunklen
Evi: Materie, in der Simulation waren das dann ungefähr so 10 Trillionen Sonnenmassen.
Evi: Also man hat da jetzt Masse aufgeteilt auf 10 Milliarden Teilchen und die haben
Evi: eben eine Masse gehabt von jeweils einer Milliarde Sonnenmasse.
Evi: Was jetzt eben so für ein Teilchen eigentlich auch viel ist, wenn du das so nimmst.
Evi: Zum Vergleich, als die Milchstraße ist 10 Mal größer als jetzt so eins von diesen Teilchen.
Evi: Also wenn du Teilchen hast, glaubst du immer, das ist was Winziges,
Evi: aber das waren halt eigentlich schon ziemliche Brummer.
Elka: Das ist eher ein Teil.
Evi: Ja, genau. Jetzt haben wir da jetzt schon mal diesen Würfel und können eben
Evi: die Simulation starten.
Evi: Unsere Simulation, die beginnt jetzt 397.000 Jahre nach dem Urknall,
Evi: weil das als Startpunkt insofern gut ist, weil das ist die kosmische Hintergrundstrahlung,
Evi: die wir ja empfangen, die wir auch gemessen haben. Also da haben wir ja gute
Evi: Daten dazu von den Satelliten.
Evi: Und das heißt, hier haben wir ja auch festgestellt, dass das Universum ja ganz
Evi: am Anfang, dass das ja nicht ganz gleich war.
Evi: Dass da halt wirklich ganz kleine Unförmigkeiten waren, so ganz leichte Dichterschwankungen.
Evi: Die waren eben noch vom Urknall her. Und das ist ganz wichtig,
Evi: weil du brauchst nämlich wirklich diese Unregelmäßigkeiten, damit dann nachher was passiert.
Evi: Also das sind quasi so, wo man auch wirklich diese eigentlich Keimzellen fast könnte man sagen.
Elka: Sonst hätte es uns ja alle nicht geben.
Evi: Weiß man nicht. Das war schon sehr homogen, aber eben nicht ganz.
Evi: Du hast eben ganz leichte zu dichte Schwankungen gehabt und das haben die natürlich
Evi: jetzt auch berücksichtigt.
Evi: Und die dunkle Materie da jetzt in dem Würfel entsprechend verteilt.
Evi: Genau, und jetzt hast du eben die Gravitationskräfte, die eben zwischen all
Evi: diesen Teilchen wirken und daraus dann natürlich resultierende Bewegungen.
Evi: Und jetzt kannst du dir mal anschauen, okay, wie hat sich das im Laufe der Zeit entwickelt.
Evi: Jetzt müssen wir uns aber überlegen, wir haben aber trotzdem jetzt irgendwie
Evi: so 10 Milliarden Teilchen da drinnen.
Evi: Wenn du dir jetzt mal anschauen willst, okay, gut, du hast jetzt Teilchen Nummer
Evi: 1, das hast du jetzt durchlaufen.
Evi: Okay, wie wechselt wirkt das mit dem Teilchen Nummer 2 und dann Teilchen Nummer
Evi: 3 und so weiter. und das gehst du halt dann weiter bis zu 10 Milliarden.
Evi: Und dann hast du dann einmal das Teilchen 2, wie wirkt das auf Teilchen 3 und
Evi: dann endet inzwischen ihre Position.
Evi: Also das ist alles sehr, sehr mühsam. Deswegen kann man das halt natürlich jetzt
Evi: so in der Reihenfolge nicht machen.
Evi: Das kann man machen bei kleineren Simulationen. Also wenn es jetzt darum geht.
Evi: Das Sonnensystem oder sowas zu modellieren, dann kann man das natürlich schon so machen.
Evi: Aber wenn wir uns das jetzt alles auch anschauen wollen, über 14 Milliarden
Evi: Jahre, und wir haben eben so viele Teilchen, da geht das nicht wirklich.
Evi: Das heißt, da hat man dann auch eigene Methoden erfunden, also man hat zwei Methoden kombiniert.
Evi: Also für alle, die es ganz genau wissen wollen, der Code heißt irgendwie Gadget2
Evi: und es ist die Tree-PM-Methode. Also ich werde jetzt auch gar nicht näher darauf eingehen.
Evi: Ich möchte es nur ganz kurz, möchte ich es halt schon sagen,
Evi: dass es eben ein Tree-Algorithmus ist und PM steht für Particle Mesh und im
Evi: Prinzip geht es da eben darum, dass man sich überlegt hat, okay,
Evi: Teilchen, die nahe sind, die kriegen mehr Gewicht, die werden exakter berechnet.
Evi: Und Teilchen, die jetzt weiter weg sind, die werden eher als Gruppe angenähert.
Evi: Also dadurch reduziert sich schon einmal der Rechenaufwand sehr.
Evi: Durch diese Wechselwirkung kannst du eben schauen, dass das eben so sind,
Evi: dass sich die Kräfte da dann eben so ein bisschen, welche kann ich vielleicht
Evi: vernachlässigen und welche sind da eben mehr.
Evi: Und so hast du dann auch so Verästelungen, die sich dadurch ergeben.
Evi: So hat man das dann eben laufen lassen.
Evi: Die hat natürlich einen Supercomputer, also nicht so etwas, was wir zu Hause
Evi: stehen haben, sondern die haben andere Möglichkeiten gehabt.
Evi: Magst du mal raten, wie lange der Supercomputer gebraucht hat für die Simulation?
Elka: Ich muss jetzt gerade dann,
Elka: Hitchhiker's Guide to the Galaxy denken, wo der Supercomputer Jahrtausende gerechnet
Elka: hat, bis er die Antwort dann gesagt hat.
Elka: Aber wahrscheinlich so lange hat es nicht gedauert. Ich hätte jetzt gesagt, ein paar Tage.
Evi: Nein, fast einen Monat. Es waren 28 Tage.
Elka: Ein Monat.
Evi: Wow. Ja, so hat das dann doch gedauert. Ich habe vergessen, man hat ja natürlich
Evi: dann auch die Zeitpunkte, also den Zeitschritt sich auch überlegen müssen.
Evi: Also es waren 11.000 Schritte vom Anfang des Universums bis in die Gegenwart,
Evi: die man sich da angeschaut hat. Also man muss sich vorstellen,
Evi: es sind zwei Milliarden Lichterre große Würfel mit 11.000 Schritten vom Anfang des Universums.
Evi: Und sie haben auch, genau das habe ich noch gar nicht erwähnt,
Evi: auch die Expansion des Universums haben sie schon berücksichtigt.
Evi: Dann nach 28 Tagen hatten sie ein Ergebnis, das sie dann eben auch veröffentlicht haben.
Evi: Bevor wir das jetzt natürlich auflösen, machen wir eine ganz kurze Pause.
Evi: Und hier sind wir wieder. Und ja, also ich nehme mal an, du wirst schon wissen,
Evi: was rausgekommen ist, oder?
Evi: Also nachdem ich ja schon so gespoilert habe bis zu einem gewissen Grad.
Elka: Ob es gut oder schlecht war, meinst du?
Evi: Genau, und ich hätte nicht von so einer alten Simulation gesprochen,
Evi: wenn die ein totaler Fail gewesen wäre, sondern natürlich ganz im Gegenteil.
Evi: Also man hat tatsächlich dann mit dieser Simulation beobachten können,
Evi: wie wirklich diese Verteilung der Galaxien und der Galaxienhaufen passiert ist.
Evi: Also man hat das dann sehr gut nachvollziehen können.
Evi: Und das war halt wirklich faszinierend, auch das erste Mal in dieser realistischen
Evi: Größe einfach simuliert zu haben.
Evi: Also sie haben das dann eben auch verglichen mit dem Service und die Vorhersagen waren da sehr gut.
Evi: Auch nämlich was diese riesigen Leerräume betrifft dazwischen.
Evi: Also wirklich so, wie sich diese Filamente dann eben auch anordnen,
Evi: diese Superhaufen bilden, die Voids entstehen.
Evi: Dieses Modell hat wirklich sehr gut das alles abgebildet.
Elka: Und dann würde ich mir denken, okay, wenn das gut funktioniert,
Elka: dann tue ich vielleicht die Zukunft auch simulieren.
Evi: Ja, ich meine, das hat man ja auch gemacht. Du kennst sicher die Simulation,
Evi: wo ja unsere Galaxie mit der Andromeda-Galaxie zum Beispiel zusammenstoßen wird,
Evi: wobei zusammenstoßen oder verschmelzen wird, besser gesagt.
Evi: Genau, das sind dann solche Sachen. Aber man hat zum Beispiel auch offene Fragen klären können.
Evi: Als Beobachtungsdaten hat man gesehen, gerade in so frühen Universen waren zum
Evi: Beispiel sehr helle Quasare und also schwarze Löcher, die sehr massereich waren.
Evi: Damals hat man nicht genau gewusst, wie das hätte entstehen können in diesem
Evi: frühen Stadium des Universums.
Evi: Das hat aber dann auch die Simulation erklären können. Also er hat gesagt,
Evi: dass das durchaus plausibel ist, dass solche Prozesse ablaufen können.
Evi: Das finde ich auch recht spannend, dass sich so große Objekte auch tatsächlich
Evi: so früh und so schnell bilden haben können.
Elka: Ja, es ist schon spannend, wie es so viele Einflussfaktoren sind und wie man
Elka: die dann alle unter einen Hut bringt und dann so eine Simulation hinkriegt.
Elka: Das ist schon sehr beeindruckend eigentlich.
Evi: Ja, vor allem du kannst da quasi live zuschauen. Also wie dann eben Galaxien
Evi: verschmelzen, sich die Haufen bilden.
Evi: Ich finde es wirklich smart auch, dieser Zugang, wenn du jetzt eben von Galaxien
Evi: und so ausgehst, von Sternentstehung, alles Mögliche, kannst du es ja wahnsinnig kompliziert ansetzen.
Evi: Und dadurch, dass du selber sagst, okay, du packst da die dunkle Materie rein,
Evi: nimmst die Gravitation, das ist jetzt sehr vereinfacht gesagt,
Evi: es steckt schon viel dahinter, dann in gute Näherung passt das mit unserem Modell
Evi: überein, also auch mit dem kosmologischen Standardmodell.
Evi: Man hat dann eben auch noch weitere Simulationen gemacht.
Evi: Also es gab dann noch Millennium 2 und eine MXXL, wo man die Auflösung quasi
Evi: verbessert hat, sich das noch angeschaut hat und noch weitere.
Evi: Also es gibt dann noch das Bolshoi und das Illustris-Projekt.
Evi: Und ganz spannend finde ich auch, dass es ein Millennium-Run-Observatorium gibt.
Evi: Und zwar ist das ein virtuelles Observatorium. Das heißt, man hat die Millennium-Daten
Evi: in dieses Observatorium reingetan.
Evi: Und da kannst du dir jetzt nämlich den Vorhersagen im Anstand zur Verteilung
Evi: von dunkler Materie und von Galaxien und kannst es auch nützen,
Evi: quasi als Teleskop, um eine simulierte Beobachtung zu machen.
Evi: Und das wird dann tatsächlich auch verwendet als Vorbereitung für tatsächliche Beobachtungen.
Evi: Hattest du von der Millennium-Simulation schon vorher gehört?
Elka: Ja, vom Namen schon, aber ich hätte nicht sagen können, um was es geht.
Elka: Also es ist schon jetzt nicht so prominent in meinem Gedächtnis gewesen.
Elka: Ich weiß nicht, ob das in der Öffentlichkeit sehr diskutiert wurde oder ob es ich verpasst habe.
Evi: Ja, wobei, wie gesagt, das war ja 2005.
Elka: 2005, da war ich 15. Ja, gut, da hatte ich vielleicht andere Probleme.
Evi: Genau, aber ich glaube, dass die Bilder aus dieser Simulation,
Evi: dass die schon sehr bekannt sind.
Evi: Also das sind nämlich diese großen Strukturen, die quasi so wie,
Evi: darf ich sagen, leuchten. Die Leulonen.
Evi: Ja, genau, also wo man wirklich dieses kosmische Netz sieht.
Evi: Und ich glaube, die Bilder, glaube ich, sind schon recht bekannt aus der Simulation.
Elka: Wohl. Sehr faszinierend. Ich hätte ja gerne eine Simulation.
Elka: Ich meine, es geht halt noch nicht mit der Rechenkapazität, die wir haben.
Elka: Aber ich frage mich, ob, wenn wir halt es schaffen würden, jedes einzelne Atom
Elka: zu simulieren, ob man so voraussehen könnte, was passiert, so auf Menschenebene meine ich.
Elka: Aber wirklich alles, aber die Sache ist halt, Quantenmechanik wissen wir,
Elka: dass nicht alles deterministisch ist, was passiert, aber auch mit Teilchen.
Elka: Aber sonst könnte man ja, man könnte zum Beispiel ja auch eine Lottoziehen,
Elka: kann man ja, wenn man alle physikalischen Gegebenheiten hat von diesen Kugeln,
Elka: die da gezogen werden, kann man ja eigentlich locker berechnen.
Elka: Das ist ja kein echter Zufall sozusagen, sondern das ist ja eigentlich berechenbar.
Elka: Das finde ich irgendwie sehr spannend irgendwie und ein bisschen unromantisch
Elka: so, dass man alles berechnen kann auf unserer Welt, aber irgendwie finde ich das recht cool.
Evi: Wobei du kannst es ja nur rein theoretisch berechnen, weil es ja zu viele Parameter
Evi: sind, dass du es ja dann eben nicht mehr berechnen kannst.
Evi: Das heißt eben, du musst ja dann Vereinfachungen machen, deswegen hast du ja
Evi: dann Annäherungen, Wahrscheinlichkeiten, mit denen du dich abfinden musst.
Elka: Aber mit der super künstlichen Intelligenz, weißt du, wer weiß.
Evi: Spannend wäre eine Simulation, die dann irgendwie zeigt, wann dann Leben entsteht,
Evi: vielleicht auf einem Planeten oder so.
Evi: Aber da weiß ich auch nicht, welche Parameter du da oder welches Modell du da heranziehen müsstest.
Elka: Naja, wir sind gespannt, was es noch gibt. Ja, danke dir also Eva,
Elka: aber auch danke an euch, liebe HörerInnen.
Elka: Wenn ihr uns auch danken wollt oder uns unterstützen wollt, unsere Arbeit,
Elka: könnt ihr das natürlich mit einem netten Mail machen, da freuen wir uns sehr.
Elka: Ihr könnt uns schreiben auf kontakt.at oder einfach ein Kommentar hinterlassen auf kosmiklatte.at.
Elka: Spotify kann man uns bewerten, da freuen wir uns natürlich über 5 Sterne und
Elka: Instagram gibt es uns auch, kosmiklatte.bot.
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Elka: und wenn ihr auch ein bisschen finanziell uns unterstützen könnt und wollt,
Elka: dann könnt ihr das gerne machen unter PayPal einmalig oder über Steady oder
Elka: Patreon kann man ein Abo.
Elka: Ließen. Dann kriegt man auch die werbefreie Version.
Evi: Wenn sich jemand den Werbungen stören sollte, dann gibt es dort die Möglichkeit,
Evi: den Podcast werbefrei zu hören.
Elka: Ja, das war's dann eh schon wieder. Unsere erste gemeinsame 2026-Folge.
Elka: Das nächste Mal haben wir uns ja dann für eine besondere Folge im März wieder.
Evi: Ach so.
Elka: Da ist ja ein besonderer Tag im März, der sehr viel mit mir zu tun hat.
Evi: Ah, haben wir da schon was geplant? Das weiß ich gar nicht.
Elka: Nein, es ist jedes Jahr der selbe Frauentag.
Evi: Ich kann dir schon verraten, am 8.
Elka: März.
Evi: Okay, jetzt denke ich auch, du spoilest was, was habe ich schon wieder vergessen.
Elka: Ich glaube, das wissen die halt schon. Das Frauentag ist vielleicht beim Stahl ja wieder.
Evi: Genau, was da auf sie zukommen wird. Schauen wir mal, was das dann im Detail sein wird.
Elka: Genau, man muss ja auch immer wieder drüber reden, weil es ist gar nicht mehr
Elka: so lang hin, dass unser Buch released wird.
Elka: Ich will es nur nochmal angemerkt haben. Es ist erst im April, aber fast bald.
Evi: Und Vorbestellen kann man ja sowieso schon.
Elka: Vorbestellen kann man überall. Und wie ich letztens checked habe,
Elka: man kann eigentlich in jeder Buchhandlung hingehen.
Elka: Und wenn man jetzt zum Beispiel nicht die Amazon-Riesen uns unterstützen möchte,
Elka: kann man eigentlich in jeder Buchhandlung hingehen und sagen,
Elka: kann ich bitte das Buch XY vorbestellen? Das Buch XY.
Evi: Es geht darum, bitte das Buch auf einen Kaffee im All.
Elka: Genau, da muss ich es mal wieder sagen.
Evi: Genau, von den tollen Macherinnen von Cosme Glatte. Dann sagt er unseren Namen.
Evi: Und dann könnt ihr das Buch bestellen.
Elka: Genau, das freut uns sehr.
Evi: Ich freue mich auch schon sehr auf die Erscheinung. Bin ich schon gespannt.
Elka: Gut, aber für heute glaube ich genug.
Evi: Genießt noch die Ballzeit, falls ihr auf Bälle geht und du auch.
Evi: Vielleicht kommst du jetzt auf den Geschmack und dann wirst ab jetzt dann nicht
Evi: mehr noch auf Bällen zu sehen sein.
Elka: Ich glaube auch, ja.
Evi: Also, wir hören uns. Bis dann. Tschüss.
Elka: Bye. Tschüss.
Evi: Ich bin schon gespannt, was für eine Farbe hat es?
Elka: Es ist so, wie heißt denn diese Farbe? Es ist nicht rosa, sondern sowas zwischen rosa und lila.
Elka: Es hat sich in einem Special-Namen rosa, rosa, lachs, keine Ahnung, dunkelrosa, sowas.
Elka: Und ich hatte jetzt sehr, das ist immer mein Go-To, ist immer irgendwas eher so rosahaftes.
Elka: Und jetzt wollte ich mal so ein bisschen was anderes machen und habe dunkelgrün genommen.
Elka: Und irgendwie dann irgendwie allen, denen ich die Fotos geschickt habe,
Elka: was ich probiert habe, haben alle gesagt, ja, das Rosene passt ja am besten.
Elka: Und dann hat mich das verunsichert und dann bin ich am nächsten Tag wieder ins
Elka: Geschäft gegangen, habe es nochmal anprobiert und dann habe ich das Rosene doch gekauft.
Elka: Und deines, welche Farbe hat das?
Evi: Meins ist schwarz. Also das ist eben so ein Korsage-Glehr. Das ist eben oben
Evi: halt so eine Korsage und dann hinten geht es eben so weit auseinander.
Evi: Also das ist halt eben so bodenlang auch. Und es hat dann aber eben über der
Evi: Brust, beginnend bis eben runter,
Evi: so ein matt-gold-braun, so eine florale Stickerei.
Elka: Cool.
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