CL086 Wie man einen Teilchenbeschleuniger baut: Zu Gast bei Walter Kutschera
Shownotes
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Eva ist in dieser Folge zu Gast bei Walter Kutschera. Walter ist Physik-Professor (im Ruhestand) an der Uni Wien und hat in seinem Leben so viel erlebt, dass man darüber unbedingt eine Podcastfolge machen muss. Er wurde im Jahr der ersten erfolgreichen Kernspaltung geboren, hat Arnold Schwarzenegger getroffen als der noch jung war, hat als Physiker in den USA mit Leuten zusammengearbeitet, die am Manhattan-Projekt beietiligt waren und in Österreich einen Teilchenbeschleuniger gebaut. Davon und von noch viel mehr plaudert er in dieser Folge von Cosmic Latte.
Zu Gast bei Walter Kutschera
Eva ist heute zu Gast bei Walter Kutschera, Physiker an der Uni Wien. Er wurde 1939 in Wien geboren – im selben Jahr, in dem die Entdeckung der Kernspaltung publiziert wurde. Eva hat ihn im Rahmen ihrer Recherchen zum Cosmic-Latte-Buch "Auf einen Kaffee im All" kennengelernt und weil Walter so viel zu erzählen hat, macht er das in dieser Podcastfolge.
Von Arnold Schwarzenegger in Graz bis in die USA
Walter Kutschera erzählt von seinem Studium der Experimentalphysik in Graz und einer überraschenden Begegnung: Während seiner Zeit beim Bundesheer hat er dort den jungen Arnold Schwarzenegger getroffen. Anschließend schildert er, wie ihn die damalige Aufbruchsstimmung der Kernphysik – geprägt durch die Vision „Atoms for Peace“ – motivierte, Österreich zu verlassen. Seine wissenschaftliche Laufbahn führte ihn nach Heidelberg, München und schließlich in die USA, wo er begann, an Teilchenbeschleunigern zu arbeiten und jene Methoden zu entwickeln, die später sein gesamtes wissenschaftliches Leben prägen sollten.
Walter erzählt, wie er nach Wien zurückkehrte, um den „Vienna Environmental Research Accelerator“ (VERA) aufzubauen. Die Idee entstand durch eine internationale Evaluierung der österreichischen Physiklandschaft. Aus einer wissenschaftlichen Chance wurde ein konkretes Großprojekt: Ein denkmalgeschütztes Gebäude im Zentrum Wiens wurde in ein modernes Beschleunigerlabor umgewandelt. VERA entwickelte sich rasch zu einer international anerkannten Forschungseinrichtung.
Luis Alvarez und die Atombombe
Ein Vorbild von Walter bei seinen Studien war der Physiker Luis Alvarez. Dieser war nicht nur Nobelpreisträger und Mitentwickler der Theorie zum Asteroideneinschlag der Dinosaurier, sondern auch direkt am Manhattan-Projekt beteiligt. Er war dabei, als die Bombe über Japan abgewofen wurde und hat diese Erfahrungen in einem Brief an seinen Sohn aufgeschrieben. Dieses Thema führt uns zu Einsteins Briefwechsel mit Sigmund Freud über die Frage „Warum Krieg?“ (der Briefwechsel ist hier nachlesbar) und zur grundlegenden Frage nach Aggression und menschlichem Verhalten. Wissenschaft, Geschichte und Philosophie verschmelzen hier miteinander.
Wie baut man einen Teilchenbeschleuniger?
Der Aufbau eines Teilchenbeschleunigers ist eine Mischung aus wissenschaftlicher Expertise, Organisationstalent und einer Portion Glück. Walter schildert die praktischen Herausforderungen: geeignete Hersteller finden, Räume umbauen und technische Anforderungen mit Denkmalschutzauflagen zu vereinbaren. Der Einbau von VERA erforderte sogar das Öffnen von Gebäudewänden, damit die Anlage überhaupt ins Gebäude transportiert werden konnte. Aber jetzt steht das Ding und macht das, was es soll: Beschleuniger-Massenspektrometrie. Dieses Verfahren ermöglicht den direkten Nachweis extrem seltener Isotope wie Kohlenstoff-14, indem störende Signale durch eine Reihe magnetischer, elektrischer und physikalischer Filter entfernt werden. Im Vergleich zu älteren Methoden, die auf den radioaktiven Zerfall warten mussten, erhöhte diese Technik die Nachweisempfindlichkeit um Größenordnungen und eröffnete zahlreiche neue Anwendungen.
Walter erzählt auch von der historischen Bedeutung der Entdeckung der kosmischen Strahlung durch Victor Franz Hess und beschreibt die Entstehung von Primär- und Sekundärstrahlung - ohne die gäbe es überhaupt kein C14.
Der „Bomb Peak“ und das Gehirn des Menschen
Die Atomwaffentests haben auch uns Menschen beeinflusst. In den 1950er- und 1960er-Jahren führten die zu einem deutlichen Anstieg von C14 in der Atmosphäre – dem sogenannten „Bomb Peak“. Dieses unbeabsichtigte globale Experiment wurde später zu einem mächtigen Werkzeug der Medizin. Forschende konnten damit herausfinden, wann bestimmte Zellen im menschlichen Körper entstanden sind. So ließ sich beispielsweise untersuchen, ob sich bestimmte Gehirnzellen im Laufe des Lebens erneuern oder nicht. Siehe dazu auch die Arbeit, die Walter selbst geschrieben hat: "The Versatile Uses of the 14C Bomb Peak"
Superschwere Elemente und Quarks
Walter erzählt auch von seiner Suche nach hypothetischen superschweren Elementen, die möglicherweise langlebiger sein könnten als bisher bekannte Atomkerne. Obwohl die Experimente letztlich keine neuen Elemente fanden, waren sie wissenschaftlich dennoch bedeutsam. Und am Ende geht es um die großen offenen Fragen der modernen Physik. Die sichtbare Materie macht nur einen kleinen Teil des Universums aus; der Rest besteht offenbar aus dunkler Materie und dunkler Energie, deren Natur noch unbekannt ist. Auch das Neutrino bleibt rätselhaft: Milliarden dieser Teilchen durchdringen jede Sekunde unseren Körper, doch viele ihrer Eigenschaften sind bis heute ungeklärt.
Das Buch zum Podcast
Unser Buch "Auf einen Kaffee im All" kann jederzeit überall wo es Bücher gibt bezogen werden.
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Cosmic Latte ist eine Space Monkey Produktion
Transkript anzeigen
Evi: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Cosme Glatte mit mir
Evi: Eva und diesmal nicht mit Jana, nicht mit Elka und auch nicht mit Peter,
Evi: denn dieses Mal bin ich sozusagen auf Exkursion und zwar bin ich aktuell hier
Evi: in Wien an der Fakultät für Physik und habe einen Gast, wobei eigentlich bin
Evi: ich der Gast und zwar bin ich heute bei Walter Kutscherer. Hallo.
Walter: Hallo.
Evi: Es freut mich sehr, dass du heute hier bist, bei uns im Podcast.
Evi: Ich muss dich ganz kurz vorstellen. Ich muss jetzt überlegen,
Evi: wie ich da am besten anfange.
Evi: Natürlich sprechen wir über dich heute und wir sind gerade zurückgekehrt,
Evi: weil ich habe gesagt, ich bin auf Exkursion gewesen.
Evi: Wir haben uns gerade den Teilchenbeschleuniger Vera angesehen,
Evi: der auch hier in Wien ist, direkt im Zentrum.
Evi: Und über das alles wollen wir heute sprechen. Aber zuerst würde ich mal sagen,
Evi: wir fangen an, indem wir über dich sprechen.
Evi: Wir haben uns kennengelernt im Zuge meiner Recherchen zu dem Buch auf einem
Evi: Café im Hall. Da haben wir das Längeren über Lise Meitner gesprochen.
Evi: Da habe ich ein eigenes Kapitel über sie geschrieben.
Evi: Und wir haben ja dann auch festgestellt, dass in dem Jahr, in dem Lise Meitner
Evi: die Kernspaltung entdeckt hat oder zumindest publiziert worden ist,
Evi: das ist auch das Jahr, in dem du geboren worden bist. Richtig, ja.
Evi: 1939 in Wien. Das ist auch das Jahr, in dem leider der Zweite Weltkrieg ausgebrochen ist.
Evi: Ja, und du hast dann eine sehr beeindruckende Karriere aber hingelegt in deinem Leben.
Evi: Aber das wollen wir auch ein bisschen sprechen natürlich, deine Schulzeit in Graz.
Evi: Du hast dann Technische Physik studiert, dann Experimentalphysik und hast dann
Evi: aber auch Internationalstationen gemacht.
Evi: Möchtest du uns da kurz was dazu sagen?
Walter: Ja, ich bin nach dem Studium in Graz in Experimentalphysik, was damals noch
Walter: zur philosophischen Fakultät gehört hat, musste ich das Bundesheer machen und
Walter: war tatsächlich drei Monate zusammen mit Arnold Schwarzenegger, der ja aus Graz stammt.
Walter: Gut, ich hatte keinen weiteren Kontakt mit ihm und habe einen anderen Weg eingeschlagen.
Evi: Hat er dich nicht fürs Bodybuilding begeistern können?
Walter: Nein, aber er hat begonnen genau in dem Jahr.
Walter: Wo ich beim Bundesheer war. Das ist jetzt 60 Jahre her. Okay. 1965, ja.
Evi: Dann warst du aber später beim Bundesheer, oder?
Walter: Ja, ich bin nach dem Studium.
Evi: Nach dem Studium auch erst.
Walter: Ja. Bumittelbar nach dem Studium habe ich 65 abgeschlossen und danach gleich
Walter: zum Bundesheer. Neun Monate und dann war ich weg, sozusagen von Österreich.
Walter: 27 Jahre lang im Ausland. Also zu dieser Zeit, muss man noch dazu sagen,
Walter: war die Kernphysik etwas sehr Positives, ja. Man hat von Atoms for Peace,
Walter: hieß es nicht, nach dem Weltkrieg.
Walter: Da war das die Idee, dass man die Kernkraft ausnützen kann, um Energie zu erzeugen.
Walter: Und es sind ja sehr schnell Kernreaktoren, Kernkraftwerke gebaut worden.
Walter: Andererseits, parallel dazu, ging die Weiterentwicklung von Kernwaffen auch.
Walter: Es gab die sogenannte Periode vom Kalten Krieg. Sowohl die USA als auch die
Walter: Sowjetunion haben damals immer mehr und mehr Kernwaffen angesammelt.
Evi: Was finde ich fast ja paradox ist, weil wenn wir daran denken,
Evi: wie der Zweite Weltkrieg zu Ende gegangen ist, dass es dann danach so ein Wettrüsten
Evi: gab, ist eigentlich erstaunlich.
Walter: Ja, es gab einen Teil der Physiker, die sogar dabei waren bei der Entwicklung
Walter: der Atombombe, die haben sich auch dagegen gewehrt oder haben sich dagegen gestellt,
Walter: dass man das nicht machen sollte, jetzt einen Wettlauf mit Kernwaffenrüstung anzugehen.
Walter: Und das gab durchaus bekannte Personen, die sich da engagiert haben in sozusagen
Walter: einer Richtung, die versucht hat, einen Frieden zu bewahren.
Walter: Letztlich ist es dann eigentlich ein Gleichgewicht des Schreckens geworden,
Walter: eine Zeit lang, so nannte man das, weil beide haben so viele Atomwaffen angesammelt,
Walter: dass man fast die ganze Erde vernichtet oder jedenfalls alles Leben vernichten könnte, wenn man…
Walter: die alle loslassen würde. Gut, das war die Zeit einerseits Wettrüsten,
Walter: andererseits hat man aber tatsächlich sofort die Energie, die Kernenergie verwendet,
Walter: um Energie zu erzeugen, ja, also diese Kernkraftwerke zu bauen.
Walter: Und da gibt es ja auch unterschiedliche Meinungen dazu, jedenfalls gibt es in
Walter: der Welt etwa 400 Kernkraftwerke, ja, heutzutage.
Walter: Einige Länder haben sehr viele, so wie die Franzosen, die haben über 50 oder
Walter: fast 60 andere Länder, wie Deutschland hat beschlossen, alle abzustellen.
Walter: Also Österreich hat zwar ein Kernkraftwerk gebaut, ist aber nicht in Betrieb
Walter: genommen worden. Also das ist ein langes Thema.
Evi: Wir in Österreich haben eine ganz eigene Stellung dazu.
Walter: Also wenn man jetzt wieder zurückgeht, was habe ich gemacht?
Walter: Ich war beeindruckt von der Atoms for Peace, also dass die Kernphysik ein Gebiet
Walter: ist, was unheimlich interessant und aktuell ist.
Walter: Und in Österreich gab es da kaum Möglichkeiten, wirklich etwas,
Walter: für mich jedenfalls etwas zu beginnen. Und deswegen über Verbindungen,
Walter: die ich nach Deutschland hatte, bin ich nach Deutschland gegangen und zuerst
Walter: ans Max-Planck-Institut für Kernphysik, drei Jahre lang in Heidelberg.
Walter: Das war eine der besten Stellen, wo man hingehen konnte, einfach als Gastforscher.
Walter: Und dann bin ich noch sieben Jahre in München gewesen, an der TU München,
Walter: wo ein Forschungsreaktor gebaut wurde, sehr früh, schon in den 50er Jahren.
Walter: Und von dort bin ich dann nach Amerika gegangen, war 15 Jahre in der Nähe von
Walter: Chicago in einem großen Nationaloperatorium.
Walter: Und dort habe ich eigentlich mit dem begonnen, was mich dann die nächsten 40
Walter: Jahre beschäftigt hat, nämlich die Verwendung eines Beschleunigers als ein hochsensitives
Walter: Massenspektrometer. Zuerst habe ich sozusagen,
Walter: klassische Kernphysik gemacht. Ich habe Kernreaktionen studiert an Beschleuniger,
Walter: um die Kernstruktur zu erforschen.
Walter: Das habe ich auch in München noch weitergemacht.
Walter: Aber dann, als ich nach Amerika ging, dann kam genau zu der Zeit die Idee auf,
Walter: man könnte ja einen Beschleuniger als ein hochsensitives Massenspektrometer verwenden,
Walter: um langlebige Radioisotope sowohl natürlich erzeugte als auch von Menschen in die Umwelt gebracht.
Walter: Besonders gut nachweisen mit einem Beschleuniger. Das ist damals entstanden
Walter: und das habe ich bis heute betrieben und das ist auch noch lange nicht zu Ende.
Evi: Das heißt, das war damals aber ganz neu eigentlich, erst in der Entstehung.
Evi: Und da warst du von Anfang an von der Pika auf.
Walter: Ich war von Anfang an dabei, ja. Ich bin auch einer der wenigen oder überhaupt
Walter: der Einzige, der alle Konferenzen, die seit dieser Zeit auf diesem Gebiet stattfinden, besucht hat.
Walter: Aber das nur nebenbei, das ist nicht so wichtig. Wichtig war aber,
Walter: dass ich letztlich dann, nachdem ich fast 15 Jahre lang an einem Nationaloperatorium,
Walter: auch an einem Beschleuniger gearbeitet habe,
Walter: mit dieser neuen Methode der Massenspektrometrie,
Walter: dass ich dann nach Wien berufen wurde und mit dem Ziel,
Walter: in Wien so eine Anlage aufzubauen. zu bauen.
Walter: Und das ist die VERA, die du gerade erwähnt hast, der Vienna Environmental Research
Walter: Accelerator, ist die Abkürzung VERA.
Walter: Und das war eine tolle Sache, dass ich das in Wien 1993 bin ich berufen worden.
Walter: Und nach zwei Jahren haben wir diesen Beschleuniger dann tatsächlich in Betrieb genommen.
Evi: Das heißt, als du nach Wien zurückgekommen bist, das war dann schon klar,
Evi: dass da ein Beschleuniger gebaut werden soll?
Walter: Ja, wie das so läuft, in Wirklichkeit ist es Es gab sogar zwei Jahre bevor ich
Walter: kam, das erste Mal eine Evaluierung von einer internationalen Kommission von
Walter: der gesamten Physik in Österreich,
Walter: von allen Universitäten, aber auch außeruniversitäre Einrichtungen,
Walter: wie von der Akademie der Wissenschaften.
Walter: Und dieses Komitee hat unter anderem auch mein Institut, was ich dann übernommen
Walter: habe, das sogenannte Radium-Institut, besucht.
Walter: Jede Institution musste auch Zukunftsprojekte vorstellen und die haben davon
Walter: gesprochen, man könnte vielleicht in Wien so eine kleine Beschleunigeranlage
Walter: etablieren mit dieser neuen Technik.
Walter: Da waren Kollegen von mir, die waren sogar mal zwei Jahre in München gewesen
Walter: und haben das kennengelernt, diese Technik.
Walter: Dadurch war ein, wie soll ich sagen, es war eine Art Window of Opportunity,
Walter: dass es genau zu der Zeit diese Evaluierung gab, die das sehr positiv gesehen
Walter: hat, dass man sowas bauen kann.
Walter: Und auch die Leute, die das damals vorgestellt haben, ich war ja gar nicht da,
Walter: die wurden auch gefragt, ja wer soll denn das machen?
Walter: Und da ist mein Name schon ins Gespräch gekommen, weil die Kollegen von mir,
Walter: die mich in München kennengelernt haben und auch mein Vorgänger am Radiominstitut,
Walter: die wussten das, dass ich könnte das aufbauen.
Evi: Dass du die Expertise hast schon.
Walter: Ja, die Expertise hatte ich. Das war ganz wichtig.
Evi: Du bist ja auch sehr weit gereist. Also ich habe ja gesehen,
Evi: du hast ja auch eben in Deutschland und Amerika, warst ja auch in Japan, in Tokio.
Evi: Ich war in Tokio. Hast du Aufenthalte gehabt, auch in Israel.
Evi: Ich stelle mir das ganz spannend vor.
Evi: Wie ist das so, wenn man auch so unterschiedliche wissenschaftliche Kulturen
Evi: trifft? Wie war denn das für dich?
Evi: Hat es da vielleicht Kulturen gegeben oder Länder, wo es dir ein bisschen schwerer
Evi: gefallen ist, wo es vielleicht Missverständnisse gegeben hat?
Evi: Oder was konntest du da für dich auch mitnehmen?
Walter: Ja, also es war immer sehr interessant. Und eine Grundhaltung,
Walter: die man als Wissenschaftler haben sollte, man muss neugierig sein.
Walter: Und auch wenn man fremde Kulturen kennenlernt. Für uns war Japan,
Walter: das war meine Familie auch ein halbes Jahr dort, war eine fremde Kultur.
Walter: Und da gab es hochinteressante Erlebnisse. Ich bin ja auch Skilaufen gegangen
Walter: in Japan, damals waren wir alle jung, die japanischen Studenten.
Walter: Da gab es einige, die das sehr gerne auch gemacht haben.
Walter: Aber dann gab es schon kulturelle Dinge, die wir nicht so sofort verstanden
Walter: haben. Also das war das eine.
Walter: Das andere, Israel, wie es ja jetzt in aller Munde wieder, eigentlich immer, ist.
Walter: Israel war meine Verbindung, hat in Amerika begonnen. Ich habe einen Postdoc
Walter: dort kennengelernt aus Israel, mit dem ich bis heute eine starke Verbindung
Walter: habe. Die ganze Familie.
Walter: Ich war auch in China mal bei Konferenzen und so, habe dort Kollegen kennengelernt.
Walter: Die zuerst in Amerika waren und dann zurückgekehrt sind.
Walter: Große Professoren wurden in China. Und für mich ist einfach das Schöne,
Walter: dass man Menschen in Ländern haben kann, deren politische Einstellung man nicht unbedingt gut heißt.
Walter: Aber es gibt überall vernünftige, sage ich mal, und interessante Menschen.
Walter: Und wenn man die Politik da rauslassen kann, dann ist das wunderbar.
Walter: Ich war auch in der Ukraine und in Russland.
Walter: Wenn man dort Menschen trifft, mit denen man direkt eine Wechselwirkung bekommt,
Walter: dann ist das Politische aus meiner Sicht im Hintergrund.
Walter: Es dominiert nicht, was wir machen. Das ist, glaube ich, ein großes Glück,
Walter: das man hat als Wissenschaftler, vor allem, wenn man die Möglichkeit hat,
Walter: so viele verschiedene Länder zu besuchen, die sehr unterschiedlich sind.
Walter: Ich habe auch Südamerika besucht. Das ist auch ein enorm interessantes Land.
Walter: Das war in Afrika, in Südafrika vor allem, wo auch diese Technik aufgebaut wurde.
Walter: Und überall gab es interessante Personen, mit denen man sich austauschen konnte.
Walter: Gelegentlich schon auch über politische Probleme, aber das war immer von geringerer Bedeutung.
Walter: Da guckt man nicht weiter, aus meiner Sicht. Wir wollten ja die Physik diskutieren,
Walter: schon auch Lebensphilosophien, aber die Politik war selten oder eigentlich nie
Walter: das Dominante in unserer Wechselwirkung mit diesen verschiedenen Ländern.
Evi: Du hast dich dann eher auf das Verbindende, Wissenschaftliche konzentriert.
Walter: Ja.
Evi: Ich finde, das ist auch das Schöne an der Wissenschaft, das Internationale und
Evi: diese Zusammenarbeit, das finde ich ja wirklich diesen extrem positiven, schönen Aspekt.
Walter: Natürlich, ja. Also wenn man das machen kann, man muss auch,
Walter: glaube ich, schon eine innere Entstellung dazu haben.
Walter: Ich habe ja in verschiedenen Ländern auch Menschen kennengelernt,
Walter: die teilweise nicht so denken konnten.
Walter: Die waren sehr stark in das System involviert, aber dann gab es auch andere,
Walter: mit denen ich wunderbar über alles sprechen konnte.
Walter: Meine Erinnerung geht zurück an USA, wo mein Chef an diesem Nationallaboratorium
Walter: in Chicago, der stammte aus Ungarn, war natürlich, nicht natürlich,
Walter: aber war ein ungarischer Jude, also jüdische Abstammung und ist unmittelbar nach dem Krieg.
Walter: Er konnte noch das Abitur machen in Budapest und dann ging er nach Amerika und
Walter: ist sein ganzes Leben in Amerika geblieben.
Walter: Er ist jetzt leider vor zwei Jahren verstorben, aber wir haben gegen das Ende
Walter: unserer Wechselwirkung sogar über unsere Vätergenerationen gesprochen.
Walter: Ich aus Deutschland oder aus Österreich stammen mit dem Nazi-Hintergrund und
Walter: er als jüdischer Wissenschaftler und das war ganz toll, dass wir das konnten.
Walter: Am Schluss seines Lebens hat er mir sogar einen Bericht von seinem Vater gezeigt,
Walter: der Radiologe war und der noch in Wien eine Ausbildung gemacht hat von Budapest aus.
Walter: Und der hat, als dann die Deutschen Budapest besetzt haben, 1944.
Walter: Sind auch die jüdischen Ungarn eingezogen worden von den Deutschen.
Walter: Und er hat dann einen Bericht geschrieben über diese Erlebnisse, die er hatte, der Vater.
Walter: Und mein Chef hat das übersetzt aus dem Ungarischen ins Deutsche und hat mir
Walter: diesen Bericht gegeben.
Walter: Ein hochinteressantes Dokument, was er als Jude erlebt hat, als die Deutschen
Walter: nach Ungarn kamen. Das war erst 1944.
Evi: Du hast das jetzt eh schon gesagt, das sind ja auch Zeitgeschichte,
Evi: die du ja da ja erlebt hast, die ja zum Teil heute schon fast in Vergessenheit
Evi: auch gerät, obwohl sehr viele Sachen sehr aktuell sind nach wie vor.
Evi: Also da gäbe es überhaupt keinen Grund, irgendetwas zu vergessen.
Evi: Ich möchte es aber noch, weil du vorhin erwähnt hast, dass du ja auch bei allen
Evi: möglichen Konferenzen warst, die da in diesem Umfeld stattgefunden haben.
Evi: Das heißt, du warst wirklich von Anfang an da dabei.
Evi: Du hast auch sehr viele Menschen getroffen auf deinem Weg. Jetzt bist du jemand,
Evi: der auch schon bekannt ist, der dann hergeholt wurde nach Wien aufgrund seiner Expertise.
Evi: Wie war das für dich? Wer hat denn dich auf deiner Laufbahn beeindruckt oder
Evi: hattest du da Vorbilder?
Walter: Oh ja, mehrere, muss ich sagen. Also in den USA habe ich einmal einen Physiker,
Walter: den handeln wir sogar eingeladen, als wir eine Konferenz veranstaltet haben
Walter: über diese Massenspektrometrie.
Walter: Also das noch ziemlich neu war das Gebiet.
Walter: Und das war Louis Alvarez hieß der. Louis Alvarez war ein unglaublich vielseitiger Physiker.
Walter: Er hat ja auch einen Nobelpreis bekommen hat für Hochenergie,
Walter: Teilchenphysik, aber der eigentlich berühmt geworden ist.
Walter: Weil er das Aussterben der Dinosaurier beschrieben hat durch einen Meteoriteneinschlag.
Walter: Das war eine ganz tolle Sache.
Evi: Luis und Walter Alvarez, das waren ja Vater und Sohn, die beim Dino-Killer bei
Evi: dem Asteroiden geforscht haben.
Walter: Und der Luis Alvarez war selbst im Manhattan-Projekt dabei und war insbesondere
Walter: sogar in einem Begleitflugzeug beim Abwurf der Atombombe auf Hiroshima.
Walter: Und am Rückweg hat er einen Brief an seinen vierjährigen Sohn geschrieben.
Walter: Das war eine ganz tolle Sache, in seiner Autobiografie hat er den abgedruckt
Walter: und da hat er seinem vierjährigen Sohn gesagt,
Walter: er weiß, dass jetzt hunderttausende Menschen wahrscheinlich durch die Atombombe
Walter: umgekommen sind, aber es könnte ja sein, dass der Traum von Alfred Nobel, der dachte,
Walter: dass das Dynamit, was er erfunden hat, so schrecklich ist, dass die Kriege aufhören,
Walter: dass jetzt durch die Atombomben, die noch tausendmal stärker sind,
Walter: dass dieser Traum von Nobel vielleicht wahr werden würde.
Walter: Und so ganz falsch war es ja nicht.
Walter: Man hat zumindest keine Atomkriege begonnen nach diesem Abwurf der beiden Bomben
Walter: auf Hiroshima und Nagasaki.
Walter: Allerdings gibt es ja, wie man das nennt, Ersatzkriege. Die haben nicht aufgehört.
Evi: Also ich habe das ja oft schon jetzt gelesen, dass nach dem Abwurf der Atombomben,
Evi: dass ihr das recht viele,
Evi: ich will jetzt nicht sagen gerechtfertigt, aber eben gesagt haben,
Evi: es war so ein bisschen vielleicht für das eigene Gewissen auch eben zu sagen,
Evi: wir haben durch den Abwurf der Bombe zum Frieden beigetragen.
Evi: Findest du, dass das fast ein bisschen naiv ist, so ein Zugang zu sagen,
Evi: dass das so schrecklich ist, dass wir dadurch den Frieden sichern?
Walter: Naja, also das Interessanteste zu dieser Frage der Kriege, solange es die Menschheit
Walter: gibt, gibt es Kriege, nicht?
Walter: Genau in dieser Zwischenkriegszeit gab es einen hochinteressanten Briefwechsel
Walter: zwischen Albert Einstein und Sigmund Freud.
Walter: Da gab es eine Organisation, der Vorläufer von der NATO, der sogenannte Völkerbund,
Walter: der hat ja versucht eine Organisation aufzubauen, die den Frieden vielleicht bewahren kann.
Walter: Damals hat der Völkerbund, das war 1932, den Einstein gefragt,
Walter: ob er bereit wäre, an eine Person, die er sich auswählen kann,
Walter: eine Frage zu stellen, die für die Menschheit relevant ist. Und das hat Einstein gemacht.
Walter: Daraus ist ein Briefwechsel entstanden, den man noch heute nachlesen kann.
Walter: Und die Frage, die er an Sigmund Freud gestellt hat, war...
Walter: Warum Krieg?
Evi: Man weiß ja, dass ja Einstein ein überzeugter Pazifist war.
Walter: War Pazifist, ja. Und Freud hat versucht, aus seiner Kenntnis der Psyche des
Walter: Menschen abzuleiten, warum es immer wieder Kriege gibt.
Walter: Aus meiner Sicht ist das noch immer die beste Antwort, die ich kenne.
Walter: Aber sie verhindert nicht Kriege, aber sie analysiert nur, warum es immer wieder
Walter: Kriege gibt bis heute. Das wissen wir nicht.
Evi: Ja, leider.
Walter: Einstein war jemand, der so eine Frage ganz ernsthaft gestellt hat,
Walter: nicht an jemanden, wo er dachte, wenn überhaupt jemand was weiß über unsere
Walter: Psyche, dann ist es zumindest Sigmund Freud, einer der prominentesten zu dieser Zeit gewesen.
Walter: Der hat auch ganz lange geantwortet und hat sich am Schluss eigentlich ein bisschen
Walter: entschuldigt, dass er nichts Positiveres über die Menschen sagen kann.
Walter: Kurz gesagt, also das geht jetzt ein bisschen weg von unserer Physik,
Walter: aber es ist halt sehr interessant.
Walter: Er hat kurz gesagt gemeint, dass in uns, in allen Lebewesen,
Walter: er hat gar nicht nur den Menschen gemeint, in allen Lebewesen gibt es zwei sozusagen
Walter: starke Motivationen, wie man das sagt.
Walter: Wenn man das nennen will. Die eine ist eine fürsorgliche, eine liebende und
Walter: die andere ist eine aggressive.
Walter: Und diese Aggression, die kann dazu führen, vor allem wenn es Menschen gibt,
Walter: die diese Aggression auch noch verstärken können.
Walter: Das ist ein anderes Thema. Wie kommt es dazu, dass plötzlich Menschen,
Walter: die sehr vernünftig erscheinen, dann alles wahnsinnig aggressiv werden?
Walter: Insbesondere sogar gegen Länder oder Menschen, die sie überhaupt nicht kennen.
Walter: Das ist ein langes Thema.
Evi: Ja, richtig. Genau, jetzt sind wir fast schon im Philosophie-Bereich,
Evi: wo du ja auch deinen Doktor machen musstest.
Walter: Ja, ich musste noch eine Prüfung in Philosophie machen. War sehr interessant für mich auch.
Evi: Aber gut, war wahrscheinlich nicht das Schlechteste. Aber gehen wir zurück vielleicht
Evi: zu Vera. Da waren wir ja eigentlich, da hatten wir ja gerade darüber gesprochen.
Evi: Das heißt, du bist jetzt eben in den 90ern zurück nach Wien gekommen und hattest
Evi: dann ja eigentlich die Aufgabe, Vera bauen zu lassen oder zu bauen.
Evi: Jetzt stelle ich mir natürlich die Frage, kann man das einfach so machen?
Evi: Kann ich mir den bestellen und dann habe ich einen Beschleuniger im Keller?
Evi: Wahrscheinlich ist das nicht so einfach, oder?
Walter: Natürlich nicht. Also man muss zunächst einmal was wissen, was diese Beschleuniger können.
Walter: Wo gibt es eventuell Firmen, die sowas machen und liefern können?
Walter: Und das hat mir geholfen, dass ich so viel schon international kennengelernt habe.
Walter: Ich wusste, welche Firmen solche Beschleuniger bauen können.
Walter: Das war das eine. Das andere war, einen Platz zu finden in Wien.
Walter: Und da war das große Glück, dass zu der Zeit, als ich hierher kam,
Walter: wurde das Biozentrum in Wien gebaut.
Walter: Viele Institute, die sich mit Biophysik oder Biochemie beschäftigt haben und
Walter: sehr notdürftig untergebracht waren, die sind dorthin gezogen.
Walter: Und das war auch der Vorgänger von unserem Labor, wo wir dann Vera untergebracht haben.
Walter: Das war das Institut für Biochemie von Professor Tupi und der ist ausgezogen genau zu der Zeit.
Walter: Und dann kam noch eine andere wichtige Sache dazu.
Walter: Das Institut hat der medizinischen Fakultät zugehört, aber der Dekan, der damalige von der
Walter: Die naturwissenschaftlichen Fakultät, der hatte gewusst, dass ich ihren Platz
Walter: suche für einen Beschleuniger und konnte das so lange zurückhalten,
Walter: dass die medizinische Fakultät das wieder in Besitz nimmt.
Walter: Mit irgendwelchen Instituten, bis er erfahren hat, dass es tatsächlich möglich
Walter: ist, einen Beschleuniger dort reinzubauen.
Walter: Und ich bin extra noch vor meiner Berufung mal nach Wien gekommen und habe mir
Walter: das angeschaut, das Gebäude, ob das überhaupt möglich sein könnte,
Walter: in ein denkmalgeschütztes Gebäude, was es war, einen Beschleuniger reinzubauen.
Walter: Da hat mir sehr viel geholfen, dass ich eben wusste, wie groß diese Beschleuniger
Walter: wirklich sind und was man alles braucht.
Walter: Naja, wie ich schon früher gesagt habe, ein window of opportunity.
Walter: Und mein Dekan, der war pharmazeutischer Chemiker, der hat das gut verstanden,
Walter: was wir machen wollen und hat das gefördert.
Walter: Und war so diplomatisch, dass er es geschafft hat, es so lange zurückzuhalten,
Walter: bis ich berufen wurde und dann eben als Berufungszusage diesen Beschleuniger bekommen habe.
Walter: Und das war nur die Hälfte des Geldes, was ich brauchte, denn das ganze Gebäude
Walter: musste umgebaut werden.
Walter: Es war eine Villa, eine denkmalgeschützte Villa, die musste in ein Beschleunigerlabor
Walter: umgebaut werden. Das ging aber wunderbar damals.
Walter: Das war eine ganz tolle Zusammenarbeit, auch mit dem Denkmalamt.
Walter: Also das war ein denkmalgeschütztes Gebäude und wenn man da Veränderungen macht,
Walter: muss man das Denkmalamt involvieren.
Walter: Amerikanische Kollegen, die mich besucht haben, die haben sich gewundert,
Walter: dass das möglich ist, was ich hier gemacht habe.
Walter: Und dann habe ich geweint, ja, das ist ein Vorteil, in Österreich kann man sowas machen.
Evi: Wo ganz einfach war es ja nicht. Da hast du mir ja vorhin Fotos gezeigt,
Evi: als das Asytritannum-Beschleuniger ja dann geliefert wurde.
Evi: Da gab es ja keine Tür, wo das durchpasste. Ja, natürlich.
Walter: Man musste das ausbrechen und es wurde auch wieder zurückgebaut.
Walter: Und vor allem bei denkmalgeschützten Gebäuden müssen ja die Fassaden erhalten
Walter: bleiben. Das ist oft das Wichtigste.
Walter: Die Innereien sind bei uns sehr stark geändert worden. Aber das ging.
Evi: Ja, und deswegen hat jetzt der Wien in seinem Zentrum einen Beschleuniger,
Evi: was ich ja sehr spannend finde und ich glaube, das wissen sehr viele nicht,
Evi: dass er da hier bei uns, gleich in der Nähe von der Hauptturne,
Evi: auch wirklich ein Beschleuniger ist.
Walter: Also wir haben schon sechs Jahre, nachdem ich berufen wurde,
Walter: 1999, haben wir eine internationale Konferenz gemacht in Wien.
Walter: Und da haben die, also zumindest die Community, die diese Beschleuniger-Massenspektrometrie
Walter: macht, die hat da das kennengelernt, dass es jetzt in Wien, die sind auch gern
Walter: nach Wien gekommen als Konferenzort.
Evi: Ja, das kann ich mir gut vorstellen.
Walter: Kann man sich vorstellen. Das hat gut gepasst sozusagen.
Evi: Und jetzt möchte ich ganz gerne noch kurz auch eingehen auf das,
Evi: was VERA ist, was wir da gemacht haben, weil das ist
Evi: ja quasi eine Beschleuniger-Massenspektrometrie, die hier gemacht wird.
Evi: Das heißt, das ist eben nicht einfach Massenspektrometrie, die ja schon sehr
Evi: lange gemacht wurde, sondern das Besondere ist ja, dass man ja dadurch eben
Evi: auch diese ganzen extrem seltenen Isotope ja direkt zählen kann.
Evi: Kannst du uns vielleicht das kurz erklären, was da genau passiert?
Walter: Ja, also Massenspektrometer generell sind Geräte, wo ich ein Material untersuche,
Walter: indem ich einen Strahl, Atomstrahl oder Ionenstrahl, nennen wir das,
Walter: geladene Atome, mache und dann diesen Strahl untersuche.
Walter: In günstigen Fällen nur ein einziges Element enthält, aber verschiedene Isotope.
Walter: Isotope sind ja Atome vom selben Element mit verschiedener Masse.
Walter: Und wenn ich so einen Ionenstrahl mit bestimmter Energie durch einen Magnetfeld
Walter: schieße, dann werden die leichteren Isotope stärker abgelenkt als die schwereren.
Walter: Und das ergibt ein Massenspektrum, deswegen der Begriff Massenspektrometer.
Walter: Das geht sehr gut und das wird schon fast 100 Jahre lang gemacht für stabile Isotope.
Walter: Wir sind aber interessiert, ganz seltene radioaktive Isotope nachzuweisen.
Walter: Und diese radioaktiven Isotope kommen in der Natur teilweise natürlich vor.
Walter: Teilweise wurden sie durch die Aktivität mit der Kernphysik von Menschen in die Natur gebracht.
Walter: Vor allem durch die Kernwaffentests sind aber trotzdem nur sehr geringe Spuren.
Walter: Und um das massenspektrometrisch trennen zu können,
Walter: die ganz seltenen Isotope von den häufigen, stabilen, braucht man eine Anlage,
Walter: die es schafft, das, was bei den sehr seltenen Isotopen als Untergrund,
Walter: wir nennen das Untergrund, noch im Ionenstrahl vorhanden ist, das zu entfernen.
Walter: Durch viele verschiedene Prozesse, die ich mit dem Ionenstrahl mache,
Walter: unter anderem auch durch einen Beschleuniger zu schießen und hohere Energie
Walter: zu machen und dann noch einmal zu analysieren.
Walter: Man kann es vielleicht so beschreiben, wir haben einen Ionenstrahl von einem
Walter: bestimmten Element, Nehmen wir mal Kohlenstoff als Beispiel.
Walter: Da gibt es zwei stabile Isotope. Wir nennen immer die Massenzahl dazu.
Walter: C12 ist 99 Prozent, 1 Prozent ist C13, die stabilen Isotope.
Walter: C14, was interessiert, warum, das können wir gleich nachher besprechen.
Walter: C14 ist ein radioaktives Isotop von Kohlenstoff und hat eine Häufigkeit von 10 hoch minus 12.
Walter: Relativ zu den stabilen, das kann man sich schon gar nicht mehr vorstellen, wie wenig das ist.
Walter: Dieses C14 nachzuweisen, massenspektrometrisch, dazu braucht man eine Anlage,
Walter: die eben in der Lage ist, alles was nicht C14 ist und trotzdem bei der Masse
Walter: 14 durch das System läuft zu entfernen.
Walter: Also wir haben sozusagen eine Summe von Filtern verschiedener Art,
Walter: magnetische, elektrische, auch die Beschleunigung ist ein Filter.
Walter: Und diese Filter sind so eingestellt, dass sie das seltene Isotop durchlassen
Walter: bis zum Schluss, wo sie dann in einem Detektor nachgewiesen werden.
Walter: Und alles andere, was stört, beseitigt.
Walter: Und jeder Filter kann eine bestimmte Unterdrückung des Untergrunds,
Walter: den ich nicht haben will, an der Stelle bewerkstelligen.
Walter: Das ist das Prinzip, das zumindest einfach erklärt.
Evi: Ja, also ich finde das ja super spannend, weil es ja darum mehr oder weniger geht, Atome zu zählen.
Evi: Richtig. Und das klingt schon sehr faszinierend, dass wir überhaupt in der Lage sind, das zu machen.
Walter: Ja, also zum Atome zählen ist zu sagen, das war eben der große Fortschritt,
Walter: wenn wir schon wieder beim C14 bleiben.
Walter: Ende der 70er Jahre ist das erkannt worden an drei Laboratorien in Nordamerika.
Walter: Das war einmal in Berkeley, dann in Rochester und dann noch in einem kanadischen
Walter: Laboratorium hat man es geschafft tatsächlich C14 durch Massenspektrometrie
Walter: mit einem Beschleuniger quantitativ nachzuweisen. Was ist bis dahin gemacht worden?
Walter: C14, also das ist vielleicht schon den meisten bekannt.
Walter: C14 ist ein langlebiges Radioisotrop. Langlebig heißt eine Halbwertszeit von 5700 Jahren.
Walter: Das wird in der Natur erzeugt durch die kosmische Strahlung in der Atmosphäre
Walter: und wird dann, nachdem es als Atom erzeugt wird, Kohlenstoff 14.
Walter: Wird es durch Oxidation zu CO2 und geht dann in den ganzen Kohlenstoffzyklus ein.
Walter: Und deswegen wird das C14 dann auf alle belebte Materie inkorporiert.
Walter: Ja, und das geht schon seit...
Walter: Je und je sozusagen vor sich. In den späten 40er, Anfang 50er Jahre ist eine
Walter: Methode entwickelt worden, C14 nachzuweisen.
Walter: Den natürlichen Gehalt von C14 in Tiere, die das aufgenommen hat,
Walter: also organisches Material.
Walter: Also Menschen, in Tieren, in Pflanzen, überall Bäume, alle haben Kohlenstoff
Walter: in sich mit einem winzigen Anteil von diesem radioaktiven Kohlenstoff.
Walter: Und da wurde dann die Idee geboren, dass man das vielleicht zur Altersbestimmung
Walter: verwenden kann. Weil ja in dem Augenblick, wo ein Organismus stirbt,
Walter: kein neues C14 mehr aufgenommen wird durch die Nahrung oder auch direkt bei
Walter: den Pflanzen durch das CO2.
Walter: Und das heißt, als Funktion der Zeit nimmt der C14-Gehalt ab,
Walter: relativ zu den stabilen Isotopen. Die zerfallen ja nicht.
Walter: Und dadurch ist eine Methode entwickelt worden zur Altersbestimmung.
Walter: Und dann hat man ungefähr über 20 Jahre lang diesen winzigen Anteil von diesem
Walter: radioaktiven Isotop durch Messung der radioaktiven Strahlung,
Walter: die beim Zerfall passiert, auftritt, nachzuweisen.
Evi: Das heißt, ich habe mir da den Zerfall angesehen?
Walter: Ja, man hat den Zerfall angesehen, ja. Das Problem letztlich war, das wusste man schon,
Walter: wenn man ein sehr seltenes Isotop so nachweist und es hat eine sehr lange Halbwertszeit,
Walter: dann in einer endlichen Messzeit zerfallen nur ganz wenige Atome.
Walter: Ich kann nur sehr wenige nachweisen.
Walter: Wenn es mir aber gelingt, diese Isotope direkt durch Massenspektrometrien nachzuweisen,
Walter: also die Atome direkt zu zählen, nicht zu warten, bis sie zerfallen,
Walter: dann gewinnt man eine ungeheure Sensitivität.
Walter: Und ungeheuer, das ist also, als Physiker soll man solche Worte nicht mehr nützen,
Walter: aber die Nachweiswahrscheinlichkeit ist um einen Faktor eine Million gestiegen.
Walter: Ja, das ist ungeheuer viel. Also man konnte viel mehr Atome nachweisen in einer
Walter: endlichen Zeit, wenn man sie direkt zählen konnte.
Walter: Als wenn man gewartet hat, bis sie endlich mal zu fallen. Das ist eigentlich die Grundlage.
Evi: Ich finde es ja ganz spannend, dass ja dieses C14 eben so bedeutend ist.
Evi: Also wie gesagt, das werden ja die meisten schon gehört haben,
Evi: dass das wichtig ist für Altersbestimmungen, für Datierungen und ja in unterschiedlichen
Evi: wissenschaftlichen Bereichen ja auch eingesetzt wird.
Evi: Du hast es ja vorhin auch schon angesprochen, wie ja das C14 ja eigentlich entsteht
Evi: und dass das ja durch die kosmische Strahlung entsteht.
Evi: Und ich finde das ja sehr spannend, dass ja dieser Anteil eigentlich so gering
Evi: auch ist. und ich würde da ganz gerne auch noch ein bisschen über die kosmische Strahlung sprechen.
Evi: Wir hatten das vor kurzem auch bei uns im Podcast als Thema,
Evi: kosmische Strahlung, als ob wir hier nochmal gerne nachhören möchten.
Evi: Das war in der Folge 62, da haben wir über kosmische Strahlung gesprochen,
Evi: eben auch über Victor Franz Hess, der ja in seinen Ballonfahrten mit den über
Evi: 5000 Meter Höhe die Ionisation der Luft gemessen hat und anstatt einer Abnahme festgestellt hat,
Evi: dass das ja zunimmt, das war ja 1912, Dann auch der Nachweis von Marietta Blau und Hertha Warmbacher,
Evi: die ja dann mit den Fotoplatten und ihren eigens entwickelten Emulsionen ja
Evi: dann in diesen Teilchenschauer auch aus der Sekundärstrahlung sichtbar gemacht
Evi: haben. Das war dann 1937.
Evi: Das heißt, das ist ja auch ein sehr wichtiger Prozess, der da stattfindet für die Wissenschaft.
Evi: Vielleicht kannst du uns noch mal kurz sagen, dass es ja auch diese Primärstrahlung
Evi: und die Sekundärstrahlung gibt und wie das alles entsteht und vor allem wie
Evi: wichtig das dann eben ist, dass wir das ja dann nachweisen können.
Walter: Ja, zunächst kann man ruhig sagen, das ist eigentlich eine der großartigen Entdeckungen,
Walter: die kosmische Strahlung und auch dann die Weiterführung von Marietta Blau, die erwähnt wurde,
Walter: wo man festgestellt hat, dass die so hohe Energie hat, die kosmische Strahlung
Walter: in Fotoplatten, dass das eine Sache ist, die in Österreich entwickelt wurde.
Walter: Und die ist zuerst durchaus nicht geglaubt worden.
Walter: Also was Franz Hess 1912 entdeckt hat in seinen Boulon-Fahrten,
Walter: das haben die in verschiedensten Ländern, inklusive Amerika,
Walter: nicht gleich akzeptiert.
Walter: Und das ist erst nach längerer Zeit akzeptiert worden. Deswegen hat er eine...
Walter: Den Nobelpreis auch erst 1936 bekommen.
Evi: Ja, stimmt.
Walter: Das ist immerhin 24 Jahre nach seiner Entdeckung. Ja, was war jetzt die Frage?
Walter: Habe ich vergessen. Entschuldigung.
Evi: Ich wollte noch darüber sprechen, dass es ja die Primärstrahlung gibt.
Walter: Ach so. Ja, die Primärstrahlung, also das ist ein eigenes Forschungsgebiet,
Walter: nicht die kosmische Strahlung zu untersuchen.
Walter: Man hat das am Anfang, also viele Jahre lang, durch Ballonflüge gemacht.
Walter: Man hat nicht nur bemannte, sondern auch unbemannte, Der hat hochgeschickt die
Walter: Ballons bis in die Stratosphäre, weit hinauf oder weit über die Stratosphäre
Walter: und hat Messgeräte mitgenommen in den Ballons, die registrieren konnten,
Walter: was da aus dem Weltall herunterprasselt auf die Atmosphäre.
Walter: Und deswegen wusste man dann schon bald, dass es hauptsächlich Protonen sind,
Walter: hochenergetische Protonen, dann aber auch schwerere Elemente, Helium.
Walter: Und das ist sozusagen ein kosmischer Schleier, der widerspiegelt,
Walter: was die Hauptelemente im Kosmos sind.
Walter: Die werden durch Prozesse, von denen man noch immer nicht ganz genau weiß,
Walter: wie sie passieren, zum Teil auf hohe Energie beschleunigt, diese Teilchen von
Walter: diesem kosmischen Schleier und treffen dann, wenn sie auf die Erde kommen,
Walter: zuerst mal auf die Atmosphäre.
Walter: Und die Atmosphäre ist ja ziemlich dick, das vergisst man oft.
Walter: Die Atmosphäre sind fast zehn Meter Wassertiefe, so viel Materie ist in der Atmosphäre.
Walter: Und da finden Kernreaktionen statt. Und die Protonen, die da herunterprasseln.
Walter: Die zertrümmern Atomkerne in der Atmosphäre, also Sauerstoffkerne,
Walter: Stickstoffkerne sind die Hauptatomkerne und erzeugen Neutronen,
Walter: Bruchstücke von diesen Zertrümmerungsprozessen.
Walter: Und diese Neutronen...
Walter: Die wandeln dann den Stickstoff 14 in ein C14 um durch eine weitere Kernreaktion.
Walter: Es ist also eine sekundäre Reaktion, die abläuft und die läuft seit eh und je ab in der Atmosphäre.
Walter: Deswegen war auch die ursprüngliche Annahme von den Entwicklern der Datierungsmethode,
Walter: dass nachdem das seit Millionen abläuft und die Halbwertszeit von Kohlenstoff
Walter: zwar lang ist, aber nicht unendlich lang,
Walter: dass sich da irgendein Gleichgewicht einstellt vom C14-Gehalt in der Atmosphäre.
Walter: Und dieses Gleichgewicht, also isotopisches Gleichgewicht zwischen C14-Atomen
Walter: und stabilen Kohlenstoffisotopen, und das überträgt sich auf die belebte Materie,
Walter: also die Übertragung dieses Signals, das in der Atmosphäre durch die kosmische
Walter: Strahlung erzeugt wird,
Walter: auf die gesamte belebte Materie, basiert über den Kohlenstoffzyklus.
Walter: CO2 wird von den Pflanzen aufgenommen und dann geht es in die belebte Materie, auch in uns.
Walter: Das Interessante, ich möchte das eigentlich sehr gern sagen,
Walter: weil wir ja oder viele Menschen nicht haben Angst vor Radioaktivität.
Walter: Wir selbst sind radioaktiv.
Walter: Jeder Mensch trägt also ungefähr, je nach dem Körpergewicht,
Walter: aber so in der Gegend 15 Kilogramm Kohlenstoff in sich, ja, in Form von Molekülen.
Walter: Und wenn man sich ausrechnet, wie viel C14 in diesen 15 Kilogramm ist,
Walter: durch diesen natürlichen Einlagerungsprozess, der von der kosmischen Strahlung
Walter: kommt, dann ist das eigentlich eine ungeheuer große Menge.
Walter: Die führt dazu, und das kann man mathematisch sehr leicht nachvollziehen,
Walter: dass in unserem Körper im Mittel etwa 3000 C14 Atome pro Sekunde zerfallen.
Evi: Okay.
Walter: 3.000 pro Sekunde, das muss man sich, jede Sekunde, während ich einen Satz spreche,
Walter: sind schon 100.000 C14 Atome in meinem Körper zerfallen und das solange wir leben.
Walter: Das ist nur ein Teil der Radioaktivität unseres Körpers. Es gibt noch ein anderes
Walter: Element, das Kalium, da kommen noch einmal so viele Zerfälle.
Walter: Ganz grob gesagt, in unserem Körper, das ganze Leben lang wandeln sich etwa
Walter: 10.000 Atome pro Sekunde um.
Walter: Machen einen radioaktiven Zerfall, emittieren radioaktive Strahlung,
Walter: mit der unser Körper umgehen kann.
Walter: Es gibt keinen Organismus, der keine Radioaktivität hat. Das gibt es gar nicht.
Walter: Man hat versucht, Bakterien zu züchten, die überhaupt keine Radioaktivität enthalten,
Walter: um festzustellen, ob die Radioaktivität einen Effekt hat für die Evolution und so.
Walter: Das sind ganz interessante Fragen. Aber Tatsache ist, dass wir alle Radioaktivität
Walter: in unserem Körper haben.
Walter: Das wusste man natürlich nicht, solange man überhaupt nichts von der Radioaktivität wusste.
Walter: Und das ist ja erst 120 Jahre oder so.
Walter: Erst als man entdeckt hat, dass es sowas überhaupt gibt. Und Paris ist das entdeckt
Walter: worden, vom Uran, dass das eine natürliche Strahlung aussendet,
Walter: von der man vorher nichts wusste. Also das ist eine wichtige Erkenntnis,
Walter: dass wir sind radioaktiv.
Walter: Das heißt nicht, dass Radioaktivität überhaupt nicht gefährlich ist.
Walter: Es hängt von der Menge ab, der wir ausgesetzt sind. Unser Körper kann umgehen
Walter: mit dem, was wir natürlich in uns haben, sonst würden wir nicht leben.
Evi: Ja, dass wir die Evolution schon so gemacht haben, dass wir damit umgehen können.
Walter: Ja, offenbar, dass wir Reparaturmechanismen haben.
Walter: Der Zerfall von jedem einzelnen Atom in unserem Körper erzeugt eine Störung,
Walter: aber die kann der Körper reparieren.
Walter: Wir würden sowieso nicht leben, wenn wir nicht ständig diese Reparaturmechanismen
Walter: hätten, die natürlichen in unserem Körper.
Evi: Zum gewissen Grad können wir damit umgehen. Ich meine, natürlich ist es dann,
Evi: wenn wir von Weltraumfahrten sprechen, reisen ins Weltalter,
Evi: ist es dann natürlich wieder, oder zu Mars, was ja die großen Visionen sind,
Evi: natürlich ist das dann auch wieder ein anderes Thema, da muss man sich natürlich
Evi: Gedanken machen über die Strahlenbelastung.
Walter: Man darf das nicht verbergen, auch wenn ein Kernkraftwerk explodiert, also durch die Unfälle.
Walter: Ich habe es selbst erlebt, dass Tschernobyl, und zwar in München,
Walter: da war ich in München, also weit weg von dem Ort, wo es passiert ist,
Walter: aber da kam Radioaktivität runter, die wir ganz leicht nachweisen konnten.
Walter: Durch den Regen, das Wetter hat die radioaktiven Isotope, die in einem Kernreaktor
Walter: in großer Menge vorhanden sind, transportiert bis nach München und in viele andere Teile der Welt.
Walter: Es war allerdings so, dass die Radioaktivität, die in München unterkam,
Walter: war nicht gefährlich für uns, für niemand von uns.
Walter: Aber was unmittelbar in der Nähe neben dem Reaktor passiert ist,
Walter: da sind schon nachweisbare Effekte durch die Strahlung festgestellt worden.
Walter: Und ich habe mich damals sehr dafür interessiert und mit Kollegen,
Walter: die sich damit beschäftigt haben, im Detail auch gesprochen.
Walter: Und zum Beispiel ist eindeutig ein Effekt festgestellt worden,
Walter: dass Kleinkinder, Kleinkinder haben normalerweise Kleinkinder,
Walter: Keine Krebsentwicklung in der Schilddrüse.
Walter: Aber nachdem eines der radioaktiven Isotope Jod war, Jod 131.
Walter: Das speziell in der Schilddrüse angereichert wird, haben Kleinkinder tatsächlich,
Walter: es hat es etliche Fälle gegeben, die man nachweisen konnte, die eindeutig durch
Walter: dieses radioaktive Jod in der Nähe von Tschernobyl erzeugt wurden.
Walter: Also es gab schon Effekte, die eindeutig nachgewiesen wurden.
Walter: Aber das war eben eine sehr hohe Menge. Und selbstverständlich,
Walter: jedes Kernkraftwerk muss so gebaut sein, dass es möglichst nicht in die Luft
Walter: geht, simpel ausgedrückt.
Walter: Es gibt keine Technologie, die keine Nebeneffekte hat.
Walter: Das ist eine andere Weisheit, nicht? Und die Frage ist, wie groß sind diese Nebeneffekte?
Walter: Sind die so viel schrecklicher als andere Technologien, die wir ja alle ständig ausgesetzt sind?
Walter: Das ist eine philosophische Frage, die gehen wir jetzt gar nicht näher drauf eingehen.
Evi: Ja, das stimmt, ja.
Walter: Ich bin kein Verteidiger von Kernkraftwerk. Sie haben eine bestimmte Gefahr
Walter: steckt in Ihnen, selbstverständlich.
Evi: Ja, also ich glaube, die hundertprozentige Sicherheit kann man ja nie haben.
Evi: Die gibt es nicht. Oder es ist eine sehr teure Art der Energiegewinnung in Wahrheit.
Walter: Ja, der Vorteil ist, dass es wenig CO2 produziert.
Walter: Also das ist eigentlich der größte Vorteil, kann man ruhig sagen.
Walter: Es ist nicht so bequem wie Wasserkraft, der auch kein CO2 produziert oder Windenergie.
Walter: Aber es ist jedenfalls auch eine Technologie, die zumindest dieses CO2-Problem reduzieren kann.
Evi: Wobei natürlich der Bau des Kraftwerkes oder auch der Abbau,
Evi: das Uran und das alles muss ja auch sehr teuer.
Evi: Und dann nach wie vor natürlich das Thema mit der Endlagerung.
Evi: Aber ja, ich glaube, über das werden wir nicht näher eingehen.
Walter: Nein, nein, nein.
Evi: Kernkraftwerke, ich glaube, vielleicht gehen wir uns das für ein anderes Mal aufräumen.
Walter: Das Gespräch. Ja, so lange das Thema, ja.
Evi: Ich finde das immer wieder auch beeindruckend, du hast es ja auch jetzt schon
Evi: gesagt, dieser Erkenntnisgewinn, dass man die Radioaktivität entdeckt hat, auch das
Evi: wie wir das auch in uns haben, dass wir dem auch ständig ausgesetzt werden.
Evi: Und ich stelle mir auch vor, dass damals die Entdeckung von Hess,
Evi: diese kosmische Strahlung, das muss ja schon ein bisschen revolutionär auch gewesen sein, oder?
Evi: Weil das war ja so ein bisschen auch gegen das, was man ja erwartet hatte.
Evi: Inwieweit hat das auch so ein bisschen unser Verständnis vom Universum verändert?
Walter: Ja, sicher. Wie soll ich sagen, wenn wir immer nur das weitermachen,
Walter: was wir schon kennen, dann entsteht natürlich nichts Neues.
Walter: Ich habe das schon am Anfang erwähnt, dass die Neugierde, das hat sogar Einstein
Walter: selbst von sich gesagt, er dankt dem Herrgott, dass er ihm die Neugierde eines Kindes erhalten hat.
Walter: Und gleichzeitig hat er noch gesagt, als zweites die Sturheit eines Esels.
Walter: Also beide Sachen sind wichtig. Und dass man die Dinge...
Walter: Nicht für abgemacht hält, sozusagen. Um 1900 dachte man tatsächlich,
Walter: dass die Physik ist, man weiß alles.
Evi: Fertig, ja.
Walter: Ist fertig. Und dann kam die große Überraschung mit der Quantentheorie.
Walter: Und so geht es eigentlich immer weiter. Es gibt kein Ende da.
Walter: Selbst wenn wir jetzt natürlich den Weltraum erforschen können,
Walter: wir haben diese fantastischen Teleskope, die tief in das Weltall hineinschauen können.
Walter: Wir haben sehr viele Überlegungen, wie die ganzen Elemente erzeugt werden.
Walter: Wir wissen, dass das alles über Kernreaktionen abläuft in den Sternen,
Walter: unsere Elemente, wie das Universum überhaupt entstanden ist, wann es entstanden ist.
Walter: Man ist ziemlich sicher, dass es vor 13,6 Milliarden Jahren entstanden ist.
Walter: Die Frage ist dann immer eher, was war denn vorher?
Walter: Also das ist wieder eine philosophische Frage. Es gab nichts vorher sozusagen.
Walter: Ich sehe da kein Ende. Es gibt jetzt zum Beispiel zwei ganz fundamentale Dinge,
Walter: die wir noch überhaupt nicht verstehen. Und eines ist, das hat man sicher schon
Walter: sehr oft gehört, ist die sogenannte dunkle Materie.
Walter: Wir wissen aus astronomischen Beobachtungen vor allem, dass es eine Kraft im Universum gibt,
Walter: die sich nur als Gravitation ausdrückt, aber die nichts mit den bekannten Bausteinen
Walter: der Materie zu tun hat, die wir kennen.
Walter: Es muss was Neues sein. Und es ist bisher nicht gelungen, das nachzuweisen.
Walter: Und das ist ein ganz fundamentales Problem.
Walter: Und da arbeiten auch viele Gruppen dran, machen natürlich hochempfindliche Experimente,
Walter: um nachzuweisen, eine Wechselwirkung von Teilchen,
Walter: Wo wir nicht einmal wissen, was sie für Eigenschaften haben,
Walter: außer dass sie Gravitationswirkung haben.
Walter: Das ist eine Sache. Dann gibt es noch die Anwendung, also wenn wir wieder auf
Walter: mein Gebiet kommen, von diesen sehr seltenen Radioisotopen, die ist enorm breit gefächert.
Walter: Das geht von der Archäologie bis zur Astronomie und auch die Untersuchung und
Walter: das Verständnis unserer Umwelt hilft sehr viele dieser Messungen von den seltenen
Walter: Isotopen, hilft da etwas zu verstehen.
Walter: Ein bekanntes Beispiel ist zum Beispiel, was passiert, auch wieder durch die
Walter: kosmische Strahlung hervorgerufen.
Walter: Die kosmische Strahlung kann an der Oberfläche, es bleibt nicht alles in der
Walter: Atmosphäre stecken, es gibt sekundäre Strahlung, die bis auf die Oberfläche runterkommen.
Walter: Zum Beispiel die sogenannten Myonen oder auch Neutronen kommen bis zur Oberfläche
Walter: der Erde runter und die können an der Oberfläche der Erde, zum Beispiel im Gestein.
Walter: Können sie wieder seltene Radioisotope durch Wechselwirkung,
Walter: durch Kernreaktionen erzeugen und die akkumulieren.
Walter: Und zwar zum Beispiel kann man damit untersuchen,
Walter: wann Gletscher, die jetzt ja alle zurückgehen, wie wir wissen,
Walter: wann diese Gletscher vielleicht noch kleiner waren oder überhaupt nicht vorhanden
Walter: haben, wenn wir das Gestein, was jetzt herauskommt unter den Gletschern,
Walter: untersuchen auf diese Radioisotope, wenn die schon, wenn da was drin ist.
Walter: Dann bedeutet das, dass es eine Zeit gab, wo kein Gletscher da war.
Evi: Wo sie frei waren.
Walter: Ja. Wo das frei war, ja. Oberflächendatierung nennt man das,
Walter: Surface Exposure Dating nennt sich das auf Englisch.
Walter: Und das ist eine Methode, die jetzt sehr viel verwendet wird in der Geophysik.
Walter: Hochinteressante Anwendung. Das andere ist, dass wir die großen Eisablagerungen
Walter: auf der Erde, das weiß man ja, die werden, gibt es Bohrungen,
Walter: nicht, um das Eis bis zum Boden sozusagen, kann man Hunderttausende von Jahren
Walter: vor allem in der Antarktis Eis finden und kann in diesem Eis dann wieder diese
Walter: Spurenisotope nachweisen und dann auch stabile Isotope.
Walter: Und da gibt es also Signale, die einem etwas sagen, wie das Klima in der Vergangenheit war.
Walter: Auch eine wichtige Anwendung natürlich. Eine, die an unserem Institut sehr intensiv
Walter: jetzt von der gegenwärtigen Leiterin unseres Isotopenlabors betrieben wird,
Walter: ist vor allem durch den Menschen in die Umwelt gebrachte Radioisotope,
Walter: in den Meeren nachzuweisen und dadurch Informationen über mehrere Strömungen zu kriegen.
Walter: Wir wissen, wo die Quellen sind, wo Wiederaufbereitungsanlagen sind,
Walter: wo etwas von diesen Radioisotopen, die in der Kernspaltung erzeugt werden oder
Walter: in Kernwaffentests, in die Umwelt gebracht werden.
Walter: Das sind Mengen, die keinerlei Gesundheitswirkung haben oder so,
Walter: aber das sind fantastische Tracer, sagen wir ja nicht. die einem sagen können,
Walter: wie die großen Strömungen auf der Erde in den Ozeanen passieren.
Walter: Das hat einen Einfluss auf das Klima. Da kann man etwas lernen über Gebiete,
Walter: die weit entfernt sind von der Kernphysik.
Evi: Und wie kann ich das unterscheiden, dass das von Menschen gemacht ist?
Walter: Gute Frage. Das kann man durch die Isotopenverhältnisse. Man kann zum Beispiel
Walter: verschiedene Uranisotope nachweisen. Manche von den Uranisotopen werden durch
Walter: Prozesse erzeugt, die in Kernreaktoren ablaufen.
Walter: Andere wieder durch Kernwaffentests.
Walter: Auch Plutonium-Isotope, da gibt es viele Fingerprints, sagen wir ja,
Walter: die einem sagen, kommt das Material jetzt von Kernwaffentests oder kommt das
Walter: Abfall von Kernreaktoren?
Walter: Es gibt eine Reihe von interessanten Anwendungen, die einem Details erlauben,
Walter: darüber herauszubekommen, wie diese Meeresströmungen ablaufen.
Walter: Die haben eine große Bedeutung für unser Klima und da weiß man noch lange nicht
Walter: alles, was wirklich passiert mit diesen Strömungen. Im Großen versteht man sie schon.
Walter: Besonders interessant ist auch zu wissen, wie entwickelt sich die großen Eisschilde insgesamt.
Walter: Die Intensität der Vergletscherung nimmt ab und in der Antarktis ist noch viel
Walter: mehr Eis gelagert. Das sind
Walter: Wie soll ich sagen, die Anwendung, wenn man in der Lage ist, nicht nur C14,
Walter: sondern viele andere Radioisotope, die ist ja über das ganze Gebiet der Elemente
Walter: gibt es Radioaktive Isotope und zum Teil langlebige, die Millionen von Jahren
Walter: leben und die man sehr gut nachweisen kann jetzt mit dieser Technik.
Walter: Da gibt es so viele Anwendungen auf Gebieten, die weit entfernt sind von der Kernphysik.
Walter: Diese Technik erlaubt einem, Prozesse zu untersuchen, die man sonst überhaupt nicht nachweisen kann.
Walter: Und da kommen wir sogar zum Menschen selbst zurück.
Walter: Ich habe das schon mal im Vorfeld diskutiert, dass es eben durch die Kernwaffentests
Walter: einen signifikanten Anstieg von C14 in der Atmosphäre gab, der wieder durch
Walter: den Kohlenstoffzyklus auf alle Lebewesen übertragen wurde.
Walter: Wir nennen das den C-14-Bombenpeak.
Walter: Da ist tatsächlich der natürliche Gehalt verdoppelt worden. Das ist ein Rieseneffekt,
Walter: den man leicht nachweisen kann.
Walter: Und zum Glück gab es 1963, mitten im Kalten Krieg, hat Amerika und Sowjetunion
Walter: beschlossen, die Kernwaffentests in der Atmosphäre aufzuhören.
Walter: Und seit der Zeit nimmt das C14 auch wieder ab, bis herunter zum natürlichen Gehalt.
Walter: Es nimmt nicht ab durch radioaktivischen Zerfall, sondern weil es um,
Walter: weil es einfach in den Zyklus hineinkommt.
Evi: In den CO2-Zyklus.
Walter: Innerhalb weniger als 100 Jahren sind wir jetzt schon wieder auf dem natürlichen
Walter: Level, wobei der allerdings auch verändert wird.
Walter: Wieder durch einen anderen Effekt, nämlich durch das Verbrennen von fossilem Kohlenstoff, also CO2.
Walter: Öl und Kohle enthält kein C14.
Walter: Und das CO2, was ich in die Atmosphäre hineinbringe von diesen Verbrennungsprozessen,
Walter: das verdünnt mir den C14-Gehalt, reduziert ihn, weil es enthält kein C14 mehr.
Walter: Das sind Millionen Jahre alte Kohlenstoff von Kohle- und Öllagern.
Walter: Und da ist kein C14 mehr drin, weil es so lange schon von der kosmischen Strahlung entfernt wurde.
Walter: Naja, ich weiß nicht, wie weit wir noch da weitergehen können.
Evi: Ich finde das sehr spannend, vor allem gerade diesen Bomb-Peak,
Evi: dass es einen deutlichen Anstieg eben gab, der messbar ist.
Evi: Das heißt, du hast ja vorhin gesagt, dass wir das alles ja auch in uns haben.
Evi: Das heißt, nachdem du ja damals auf der Welt warst, das heißt,
Evi: man sieht diesen Peak, würde man bei dir sehen.
Walter: Also wenn ich jetzt wie ein Kollege von mir, der vor kurzem,
Walter: also vor ein paar Jahren gestorben ist, ein bekannter Astrophysiker,
Walter: der hat gesagt, er stellt seinen Körper der Wissenschaft zur Verfügung.
Walter: Also ich könnte meinen Körper, weil ich durch diese ganze Zeit gelebt habe,
Walter: könnte ich ihn zur Verfügung stellen für folgende Untersuchungen.
Walter: Wir haben eine Zusammenarbeit mit einer Gruppe in Stockholm gehabt,
Walter: die genau diesen Bombenpeak ausgenutzt haben, um etwas über den Menschen zu
Walter: lernen und zwar über die Geburt von Zellen in einem Menschen,
Walter: insbesondere von Gehirnzellen.
Walter: Man kann ja an Menschen keine Versuche
Walter: machen, indem man sie absichtlich markiert, ihr ganzes Leben lang.
Walter: Durch diesen Bombenpeak ist nun Folgendes passiert, dass jemand,
Walter: der in dieser Periode gelebt hat, wie ich zum Beispiel,
Walter: der hat begonnen hat mit dem natürlichen C14-Gehalt und dann später im Laufe
Walter: meines Lebens ist diese Erhöhung gekommen vom C14.
Walter: Und das hat sich über den ganzen CO2-Zyklus und natürlich auch durch die Nahrung,
Walter: die ich aufnehme, ist es in meinen Körper gekommen.
Walter: Ich habe in meinem Körper verschiedene Konzentrationen von C14 genannt.
Walter: Durch diesen Bombenpeak erzeugt wurden. Und man kann nun tatsächlich.
Walter: Das hat diese schwedische Gruppe sich überlegt, man kann die Geburtsstunde von
Walter: Zellen dadurch festlegen, dass man den C14-Gehalt in der DNA,
Walter: also in der Erbsubstanz, in einer Zelle misst.
Walter: Solange eine Zelle nämlich eine Teilung macht, nimmt sie immer neue Nahrung
Walter: auf. Sie kann ja nicht von allein leben. Sie braucht Nahrung.
Walter: Und solange Zellen sich teilen, nehmen sie immer wieder neue C14-Gehalt auf.
Walter: In dem Augenblick, wo die Zelle die letzte Teilung macht und nicht mehr sich
Walter: ändert, sondern ein fester Bestandteil vom Körper, wir haben viele Zellen,
Walter: die langlebig in unserem Körper sind,
Walter: spiegelt der C14-Gehalt in der DNA wieder das Jahr, in dem die letzte Teilung
Walter: oder wo die Geburtsstunde der Zelle sozusagen passiert.
Walter: Begonnen hat. Und das war insbesondere sehr interessant für Gehirnzellen.
Walter: Man konnte keine Experimente mit Menschen machen, um festzustellen,
Walter: ob Gehirnzellen noch nach der Geburt überhaupt gebildet werden.
Walter: Das ist eine ganz entscheidende Frage in der Medizin.
Walter: Und diese Gruppe in Schweden, die hatte tatsächlich Zugang zu vielen,
Walter: wie soll ich sagen, zu Tissue-Banks, also zu Archiven, wo Menschenmaterial gelagert
Walter: wurde und wo man genau wusste, wann diese Menschen gelebt haben.
Walter: Mit biotechnischen Methoden konnten die Millionen von Gehirnzellen die Erbsubstanz,
Walter: also die Chromosomen, extrahieren nicht und dann da drinnen den C14-Gehalt mäßen.
Walter: Das spiegelte dann wieder das Jahr, in dem die Zelle die letzte Teilung gemacht hat.
Walter: Und so hat man herausbekommen, dass viele Teile unseres Gehirns nach der Geburt nicht erneuert werden.
Walter: Aber es gibt wichtige Teile im Gehirn, wo das tatsächlich der Fall ist.
Walter: Und das konnte man nur durch diesen Bombenpeak herausbekommen.
Evi: Okay, spannend. Aber ich überlege jetzt gerade, meine Mutter ist 1962 geboren.
Walter: Ja, das war fast im Peak.
Evi: Ja, eben richtig. Der Peak war eben um 1963. Das heißt, das würde mich jetzt
Evi: natürlich interessieren, ohne dass ich jetzt bei meiner Mutter im Hirn nachschauen
Evi: möchte, ob dann bei ihr jetzt eben auch, dann müsste eigentlich dieser Peak
Evi: zumindest partiell vorhanden sein.
Walter: Also auch jetzt im Gehirn. Naja, also wenn sie genau in diesem Jahr war der höchste Anteil.
Walter: Wir haben eine Untersuchung gemacht mit Objekten, die
Walter: vor dem Bombenpeak geboren wurden, so wie ich selbst. Wir hatten da eine Zusammenarbeit
Walter: mit dieser Gruppe in Schweden und da wurde das Richtzentrum im Gehirn untersucht
Walter: mit der Methode, weil man nicht wusste, was ist mit einem Richtzentrum?
Walter: Werden neue Zellen gebildet nach der Geburt oder nicht? Und es tatsächlich stellte
Walter: sich heraus, es werden keine Zellen neu gebildet.
Walter: Diese Personen, die durch den ganzen Bombenpeak gelebt haben,
Walter: also gestorben sind 2000 irgendwas und geboren 1940 oder was,
Walter: Die haben keinen Anstieg vom C14-Gehalt in den Zellen, die aus dem Riechzentrum
Walter: entnommen wurden, gezeigt.
Walter: Und dann hat man herausbekommen, dass bei Tieren das sehr wohl der Fall ist.
Walter: Und wir wissen ja, dass manche Tiere, jeder kennt Hunde und so,
Walter: dass die eine enorm gute Riechfähigkeit haben.
Walter: Und die Natur hat das so eingerichtet, dass die Lebewesen, deren Riechfähigkeit
Walter: besonders gut entwickelt ist, die können auch neue Zellen später im Leben entwickeln.
Evi: Da sind wir benachteiligt worden.
Walter: Ja, wir sind benachrichtigt worden. Es geht sogar noch weiter.
Walter: Man hat festgestellt, dass beim neugeborenen Kind,
Walter: Menschen, beim neugeborenen Menschen ist die Anlage für die,
Walter: da gibt es so Vorstufen von der Zellenbildung, da ist die Anlage vorhanden,
Walter: neue Zellen zu bilden, aber man, so ganz generell gesagt, nach dem Abstillen
Walter: verschwindet diese Fähigkeit in den Menschen.
Walter: Sie verlieren die Fähigkeit, neue Zellen im Richtzentrum zu bilden.
Walter: Das ist etwas, das ist etwas.
Walter: Was ich sehr, sehr oft erzählt habe und was immer die Leute interessiert,
Walter: dass es eben auch hochinteressante Nebeneffekte,
Walter: positive Nebeneffekte in diesem Fall gibt von etwas, was man nicht so besonders
Walter: positiv ansieht, wie die Entwicklung von Kernwaffen oder die atmosphärischen Kernwaffentests.
Walter: Wie soll ich sagen, das, was wir tun, hat immer Nebeneffekte,
Walter: manchmal negative, aber auch positive.
Walter: Und in dem Fall ist das für die Leute, die sich dafür interessieren,
Walter: was mit unserem Körper über die Lebenszeit hinweg passiert, ist das eine enorm
Walter: interessante Möglichkeit geworden. Und die wird auch noch immer weiter verwendet.
Walter: Man hat auch das Herz, die Erzmuskeln und es werden da neue Zellen gebildet.
Walter: Es ging auch so weit, ob Zellen nach einem Gehirnschlag in diesen Regionen neue
Walter: Zellen gebildet werden.
Walter: Alle diese Sachen kann man damit untersuchen, wenn man diese Zeit ausnützt,
Walter: wo dieser Anstieg vorhanden war.
Walter: Jetzt sind wir wieder fast auf dem Natürlichen und es wird sogar noch weniger
Walter: werden durch das tote CO2, was wir durch die fossilen Brennstoffe in die Atmosphäre bringen.
Walter: Und es war vor ein paar Jahren ein interessantes Paper von einer englischen
Walter: Archäologin oder Physikerin und Archäologin, die hat vorhergesagt,
Walter: wenn wir in 100 Jahren eine Altersbestimmung machen von einem Material und das
Walter: ist aber ganz aus der Zeit,
Walter: dann erscheint das, als ob es sehr alt wäre, weil es zu wenig C14 drin hat.
Walter: Treuscht einen Zerfall vor, der aber gar nicht passiert ist.
Walter: Also ich könnte ewig über C14 erzählen.
Evi: Nein, ich finde das ja super spannend, wenn man daran denkt,
Evi: dass ja kosmische Strahlung, dadurch haben wir diese C14-Methoden,
Evi: wie das dann alles sich da gegenseitig so stark beeinflusst,
Evi: dass es dann eben diese ganzen Untersuchungen, diese Forschung einfach auch zulässt.
Evi: Also ich finde, das ist ja schon auch ein Meilenstein, den wir hier auch erreicht
Evi: haben in der Forschung, in der Analyse.
Evi: Ich sichte hier einfach auch diese Zusammenhänge, dass man die erkennt.
Evi: Und das finde ich natürlich sehr spannend.
Evi: Und vor allem auch, dass man das auch so weit eben zurückführen kann,
Evi: dass man sagt, okay, dass aufgrund von menschlichem Verhalten,
Evi: dass das diese Auswirkung hat.
Evi: Und deswegen kann man das dann so genau auf ein, zwei Jahre Auflösung genau datieren.
Evi: Sehr spannend zu beobachten, wie hier wirklich auch diese Sachen zusammenspielen,
Evi: uns dann natürlich eben auch interessante Ergebnisse liefern.
Evi: Sei es jetzt eben, was die Klimaforschung betrifft oder eben die Forschung an
Evi: uns Menschen und wie wir funktionieren, wie die Zellen funktionieren.
Evi: Du hast dich aber in den letzten Jahren dann auch noch mit einem Gebiet beschäftigt
Evi: oder Forschung betrieben, die ja fast schon ein bisschen nach Science Fiction klingt.
Evi: Und zwar geht es da ja um diese superschweren Elemente.
Evi: Da können wir vielleicht auch noch ganz, ganz kurz darauf eingehen,
Evi: was da nämlich die große Herausforderung ist.
Walter: Ja, naja, also unser Gerät, also dieses Beschleuniger-Massenspektrometer,
Walter: können wir auf jede beliebige Masse einstellen von...
Walter: Elementen und Isotopen, die wir kennen. Aber es ist durchaus möglich im Bereich
Walter: der Variation von den Kontrollelementen, in denen wir alles auf eine bestimmte Masse einstellen,
Walter: dass wir auch über die bekannten Elemente hinausgehen in der Einstellung.
Walter: Wir schauen, gibt es in der Natur noch etwas, was wir noch gar nicht kennen.
Walter: Und das ist also nicht ganz zufällig, das ist seit vielen Jahren.
Walter: Wir haben vor allem theoretische Kernphysiker, die sich überlegt haben,
Walter: deren theoretischen Überlegungen hauptsächlich mit der Stabilität von Elementen sich beschäftigt.
Walter: Und wir wissen ja alle, dass es ab einer bestimmten Masse, also jenseits von
Walter: Blei oder Wismus, gibt es keine stabilen Elemente mehr.
Walter: Alle Elemente jenseits von Masse etwa 210 oder so sind nicht mehr stabil.
Walter: Sie existieren noch auf der Erde, weil sie so langlebig sind.
Walter: Uran hat eine Halbwertszeit von viereinhalb Milliarden Jahren.
Walter: Das ist ungefähr das Alter unseres Sonnensystems.
Walter: Das heißt, das Uran, das vorhanden war, am Beginn der Bildung unseres Sonnensystems,
Walter: inklusive der Erde, davon ist noch immer die Hälfte übrig, weil es die Halbwertszeit so lang ist.
Walter: Aber es ist trotzdem radioaktiv, es ist nicht stabil.
Walter: Und jetzt war die Frage, wenn man hinausgeht über Uran, und da ist man schon
Walter: ziemlich weit gekommen.
Walter: Die Atomkerne in ihrer Struktur sich so verändern, dass es vielleicht noch einmal
Walter: einen Bereich gibt, wo sie stabiler sind.
Walter: Nicht unbedingt vollkommen stabil, aber jedenfalls langlebig genug,
Walter: dass man noch Spuren davon finden könnte.
Walter: Und das hat dazu geführt, dass es also in einer bestimmten Zeit.
Walter: Das war natürlich auch alles schon in den 70er und 80er Jahren,
Walter: hat man versucht an Anlagen, die in der Lage waren, in diesen Massenbereich
Walter: hineinzuschauen, ob es irgendwas gibt.
Walter: Und da gab es eben theoretische Überlegungen.
Walter: Es gibt bestimmte Elemente, die sich so ähnlich wie Platin verhalten,
Walter: von der Chemie her, von der Systematik der Chemie her.
Walter: Da kann man weiterschauen, ob es da noch Elemente, die noch schwerer sind,
Walter: aber chemische Eigenschaften haben, die vielleicht dazu führen,
Walter: dass sie als Spuren in natürlichem Platin vorkommen.
Walter: Da war eine Vorhersage auch von den Theoretikern, da gibt es vielleicht ein
Walter: Element, das zwei Milliarden Jahre Halbwertszeit hätte und das würde noch übrig
Walter: bleiben, wenn es tatsächlich, es musste erst produziert werden in den Sternprozessen.
Walter: Und das hat dazu geführt, dass wir dann, als es dann, das ist eben oft in der
Walter: Wissenschaft so, vor allem mit sehr seltenen Prozessen, plötzlich sind mehrere
Walter: Veröffentlichungen gekommen, dass jemand etwas gefunden hätte von diesen überschweren Elementen.
Walter: Und zwar nicht mit einem Beschleuniger, sondern ohne Beschleuniger,
Walter: mit einem Massenspektrometer, das angeblich diese Gruppe so gut versteht,
Walter: dass sie glaubt, wenn sie das beobachtet haben, dass das nicht ein Untergrund
Walter: ist, sondern ein echtes Ereignis, ein neues.
Walter: Okay, und dann haben wir eine ganze Doktorarbeit bei uns gemacht,
Walter: um systematisch zu untersuchen mit unserer Empfindlichkeit, die mindestens tausendfach
Walter: größer war als die von diesem normalen Massenspektrometer.
Walter: Tatsächlich etwas existiert und wir haben nichts gefunden.
Walter: Das ist natürlich einerseits enttäuschend, aber andererseits wichtig,
Walter: dass nicht Behauptungen, Resultate als echt anerkannt werden und man sich dann
Walter: die Theoretiker alle möglichen Überlegungen machen, wie gibt es das.
Walter: Und das ist also ein Gebiet gewesen, das letztlich als Ergebnis ein Nullergebnis
Walter: geliefert hat, aber trotzdem insofern relevant war, dass wir eine Technik ja
Walter: verwendet haben, die wir im Detail sehr gut verstehen.
Walter: Das Problem, was ich damals, das war, ist sozusagen auch ein interessantes.
Walter: Nicht nur fast philosophisches Problem.
Walter: Wenn ich ein Experiment unternehme, um zu beweisen, dass etwas nicht existiert,
Walter: ist äußerst schwierig, denn ich muss ja beweisen können, dass wenn was da gewesen
Walter: wäre, hätte ich es gesehen.
Walter: Das heißt, mein Instrument muss ich so gut verstehen, dass ich eine mögliche
Walter: Existenz tatsächlich nachgewiesen hätte. Wenn ich nichts sehe,
Walter: könnte noch immer sein, ich habe einfach mein Messgerät so schlecht eingestellt,
Walter: dass natürlich nichts zu sehen war.
Walter: Also das war auch mehrfach die Kritik von den Leuten, die etwas gesehen haben
Walter: mit einer anderen Technik, dass wir ja das gar nicht so gut messen könnten.
Walter: Also es ist eine Grenzsituation in der Physik, die aber durchaus nicht neu ist.
Walter: Als festgestellt wurde, die Lichtgeschwindigkeit ist in allen Richtungen dieselben,
Walter: also dass man keine Änderung sieht in der Lichtgeschwindigkeit,
Walter: war ja ein enorm wichtiger Nachweis.
Walter: Beginn des vorigen Jahrhunderts. Wir haben uns auch mal, wie ich in Amerika
Walter: war, mit einer ähnlichen Frage beschäftigt.
Walter: Es ist vielleicht bekannt, dass die kleinsten Bausteine, die wir so normalerweise
Walter: kennen, Protonen, Neutronen, dass das noch nicht das Ende ist,
Walter: sondern dass die noch eine Substruktur haben.
Walter: Das wunderschöne Wort Quark ist dafür benannt worden, dass ein Proton und ein
Walter: Neutron aus drei Quarks bestehen, die gar nicht eine ganze Ladung haben,
Walter: sondern nur einen Bruchteil der Ladung.
Walter: Natürlich hat man dann versucht, sowas nachzuweisen irgendwie.
Walter: Und dazu haben wir ein Experiment in Amerika gemacht, einen ziemlich simplen Aufbau.
Walter: Aber die Ursache für das Experiment war, dass es Berichte gab,
Walter: man hätte einen Effekt gesehen.
Walter: Von Stanford waren diese Messungen mit sogenannten supraleitenden NIO-Kügelchen
Walter: konnte man ein Experiment durchführen,
Walter: das dem ursprünglichen Experiment, dem sogenannten Milliken-Experiment, sehr ähnlich war,
Walter: dass man eben winzigste Materieteilchen in einer Anordnung in Oszillation bringt,
Walter: wo man genau die Spannungen kennt und die Größe der Oszillationen hängt dann
Walter: von der Ladung ab, die diese Teilchen haben.
Walter: So hat man das Elektron entdeckt. Das war dann die Einheitsladung.
Walter: Niemand hat zunächst gedacht, es könne eine kleinere Ladung geben in der Natur.
Walter: Aber die Quarks hätten eben ein Drittel oder zwei Drittel der Elektronladung haben sollen.
Walter: Und dieses Experiment in Stanford, mehrere hintereinander haben einen Effekt gezeigt.
Walter: Und wir haben das überprüft und auch nichts gefunden.
Walter: Also keinen Effekt. Das sind diese Null-Experimente. In dem Fall war das ziemlich
Walter: einfach. Auch aus diesem Material, Neop, haben wir Ionen extrahiert und haben die beschleunigt.
Walter: Und wenn die ein Drittel Ladung haben, statt eine ganze Ladung,
Walter: dann ist die Energie, die erzeugt wird,
Walter: Das haben wir nachgewiesen, das konnten wir in dem Fall nachweisen.
Walter: Also es war ein relativ einfacher Test, um etwas zu überprüfen.
Walter: Was ein hochkompliziertes Experiment ursprünglich war,
Walter: konnte man nicht direkt selbst nachvollführen, sondern wir haben eine ganz andere
Walter: Methode genommen, um nachzuschauen, ob NIOB tatsächlich nicht ganzzahlige elektrische
Walter: Ladungen, ob es da irgendwelche Teilchen gibt. Freie Quarks sozusagen.
Evi: Ja, richtig. Ich wollte gerade sagen, eben diese freien Quarks,
Evi: also Solo-Quarks, dass das ja dann eben ein Negativbefund war.
Evi: Offensichtlich gibt es die nur zusammen.
Walter: Denn wenn man versucht, diese Quarks, die als, man könnte sagen,
Walter: hypothetische Teilchen ja sehr wichtig sind, um die sogenannte starke Wechselwirkung
Walter: zwischen den Nukleonen in einem Atomkern, also zwischen den Bausteinen des Atomkerns
Walter: zu beschreiben, wenn man versucht,
Walter: die zu befreien sozusagen aus einem Proton oder einem Neutron,
Walter: dann ist die Energie so gewaltig, dass immer wieder neue Teilchen erzeugt werden gleichzeitig.
Walter: Es ist gar nicht möglich, sie freizukriegen.
Walter: Das ist vielleicht ein bisschen primitiv ausgedrückt, aber sie verbergen ihre
Walter: Natur durch eine so starke Bindung, die sie unter sich haben,
Walter: dass man sie nicht freikriegen kann.
Evi: Kann es das sein, dass wir von der
Evi: Natur der Quarksing noch nicht ganz verstanden haben, warum das so ist?
Walter: Naja, die parallele Sache, die man nicht versteht.
Walter: Die sich durch Experimente immer bestätigt
Walter: haben, ist das sogenannte Verschränkungsphänomen in der Quantenphysik.
Walter: Die Natur liefert uns etwas, was diese Verschränkung zeigt. Aber warum die existiert, wissen wir nicht.
Walter: Aber sie existiert. Das ist ein enorm interessantes Thema natürlich.
Walter: Über Jahrzehnte ist ja vor kurzem erst mit dem Nobelpreis gewürdigt worden.
Walter: 2022 drei Physiker, ein Amerikaner, ein Franzose und ein Österreicher,
Walter: haben den Nobelpreis bekommen, weil sie nachgewiesen haben, dass diese Verschränkung
Walter: tatsächlich die Experimente, die man macht, kann man nur durch diese Verschränkung beschreiben.
Walter: Und selbst der große Einstein hat das angezweifelt sehr lange.
Walter: Er hat gemeint, da ist etwas, was wir nicht verstehen.
Walter: Dass die Natur so absurd sein kann, dass es diese sogenannte nicht lokale Verschränkung gibt.
Walter: Also das Teilchen Wissen, die sich weit voneinander entfernen,
Walter: wenn sie mal verschränkt sind durch den Erzeugungsprozess, dass die wie eine
Walter: Einheit wirken, obwohl sie kilometerweit voneinander entfernt sind.
Walter: Das ist ein Faktum, das man nachweisen kann, aber dass man nicht versteht,
Walter: warum die Natur darstellt.
Walter: Das uns so etwas liefert.
Evi: Ich sehe schon, da ist das Staunen groß. Das sieht man auch.
Evi: Ich glaube, das ist auch immer wieder die Neugierde, die uns da antreibt.
Evi: Und auch dieses Staunen, je mehr man erfährt, dass man dann nicht weniger neugierig
Evi: wird, sondern ganz im Gegenteil, dass da oft dann neue Fragen entstehen, ein neues Staunen.
Evi: Jetzt hast du nach all den Jahrzehnten, wo du wissenschaftlich tätig warst,
Evi: was hat dich da so am meisten in Staunen versetzt?
Evi: War das eher so, dass das Universum kompliziert ist oder auch,
Evi: dass wir überhaupt in der Lage sind, bestimmte Sachen zu messen.
Evi: Also auch wie du es gerade erzählt hast, die Negativbefunde,
Evi: die wir ja machen konnten, aber das war ja auch eine enorme Leistung,
Evi: das zu machen, das zu messen, zu analysieren,
Evi: auch wenn es vielleicht ein negatives Ergebnis war, ist es ja trotzdem auch
Evi: eine Leistung, die da vollbracht wurde.
Walter: Naja, also ich habe das schon erwähnt vorher, das größte Rätsel ist diese dunkle Materie.
Walter: Und das ist ja kein kleiner Effekt, sondern wir haben das nach allem,
Walter: was wir wissen, Können wir sagen, wir wissen überhaupt nicht,
Walter: was die Hauptenergie in unserem gesamten Universum, was das ist.
Walter: Die sichtbare Materie nimmt nur 5% von der Gesamtenergie ein.
Walter: Das ist ja, was ist mit dem Rest? Wo ist der?
Walter: Was und was ist der? Trotz dieses enorm guten Verständnisses inzwischen von
Walter: der sichtbaren Materie, wie sie aufgebaut ist.
Walter: Wir können in allen Details beschreiben, die Atomkerne, den Aufbau der Atomenkerne
Walter: und Atome und so weiter. das hat sich enorm entwickelt. Und zum Schluss sagen wir,
Walter: Aber 90 Prozent kennen wir überhaupt nicht. Ich habe schon meinen Enkel,
Walter: der so interessiert ist an theoretischer Physik, 13 Jahre, dem habe ich gesagt,
Walter: du musst das Problem lösen.
Walter: Wenn wir da wirklich keinen, weder theoretisch noch vor allem experimentell,
Walter: es gibt ja viele Experimente, die dann auch etwas suchen, was man nicht kennt.
Walter: Das ist natürlich schwierig. Man weiß nur, dass es Gravitationswirkung hat.
Walter: Aber was für eine Wechselwirkung es sonst hat, wir kennen die Wechselwirkungen
Walter: sehr gut von der sichtbaren Materie.
Walter: Wir kennen die Gravitation, die elektromagnetische Wechselwirkung,
Walter: die starke Wechselwirkung, die schwache Wechselwirkung.
Walter: Aber was diese Teilchen, wenn es überhaupt Teilchen sind.
Evi: Ich wollte gerade sagen.
Walter: Das andere ist sehr interessant und bis heute nicht gelöst, ist dieses,
Walter: wo gerade ein Buch erschienen ist über das seltsamste Teilchen der Welt,
Walter: das Neutrino, dessen Natur man noch immer nicht kennt.
Walter: Das beim Peterzer Fall entdeckt wurde, von Wolfgang Pauli übrigens vorher gesagt
Walter: wurde, dass da noch ein Teilchen existiert, dessen Eigenschaften man aber nicht gut kennt.
Walter: Aber für die Energieerhaltung beim Peterzer Fall war das ganz wichtig,
Walter: so ein Teilchen zu postulieren. Aber bis heute weiß man nicht die Masse dieses Teilchens.
Walter: Die ist sehr klein und es hat nur schwache Wechselwirkung. Wir wissen,
Walter: wir können sogar Neutrinos vom Inneren der Sonne beobachten,
Walter: weil es durch die ganze Sonne nach außen dringen kann, ohne dass es eine Wechselwirkung
Walter: macht. Also sehr schwer nachzuweisen.
Evi: Aber ständig hier?
Walter: Ständig hier. Wir werden von
Walter: Milliarden von Neutrinos, wird unser Körper durchsetzt, die ganze Zeit.
Walter: Aber er macht ja keinerlei Wechselwirkung.
Evi: Genau, das ist total unbeeindruckt.
Walter: Ja, also das ist ein Geisterteilchen, kann man sagen.
Walter: Das ist eins der, auch der noch, und es gibt große Anstrengungen,
Walter: die Masse festzustellen, sehr, sehr aufwendig mit den modernsten Techniken, die man hat.
Walter: Also diese ungelösten, da gibt es mehrere Sachen, mir fallen jetzt nur diese beiden ein.
Walter: Ob es eine absolute Grenze gibt nach oben zu den schweren Elementen,
Walter: ist auch eine Frage, die noch letztlich offen ist,
Walter: denn die Kernphysik versteht man schon ziemlich gut, also auch den Aufbau der
Walter: Atomkerne und dass da sich nochmal ein sogenanntes Island of Stability bilden
Walter: könnte jenseits der bekannten Elemente, das ist nicht völlig ausgeschlossen.
Walter: Aber das erinnert mich immer daran, der Heisenberg hat mal in einem sehr schönen
Walter: Interview, das man sich jetzt noch anhört, hat gesagt, was ist denn ein Naturgesetz?
Walter: Er sagt, ein Naturgesetz nennen wir das, wenn wir eine Theorie entwickelt haben,
Walter: die wir durch Experimente ständig überprüfen können.
Walter: Und wenn wir herausfinden, dass Theorie und Experiment immer wieder und immer
Walter: wieder übereinstimmen, dann akzeptieren wir das als ein Naturgesetz.
Walter: Dann haben wir etwas verstanden. Es gilt so lange.
Evi: Bis es widerlegt ist.
Walter: Ja, eben. Aber es gibt
Walter: Gewisse Sachen, die kennen wir so gut, dass sie die Wahrscheinlichkeit ist, es zu widerlegen.
Walter: Es gibt ja auch durchaus theoretische Überlegungen, dass die Gravitation eben
Walter: nicht eine Konstante ist, dass die sich auch noch zeitlich verändern könnten.
Walter: Aber wie kann man das nachweisen? Selbst der ganze Aufbau des Universums ist
Walter: etwas, was man auch nicht durch Experimente immer wieder nachprüfen könnte.
Walter: Man kann nur versuchen zu beschreiben und andererseits auch wieder ein Ansporn
Walter: für die nächste Generation, da weiter zu forschen.
Evi: Apropos nächste Generation, meine letzte Frage, eine Abschlussfrage an dich
Evi: habe ich noch und zwar, weil du vorhin auch von deinem Enkel erzählt hast,
Evi: was möchtest du denn so gerne der kommenden Generation mitgeben?
Evi: Hast du da einen Ratschlag oder etwas, was dir wichtig ist?
Walter: Naja, es ist diese alte Frage, dieses neugierig sein, ja, einfach neugierig
Walter: sein und so weit wie möglich versuchen,
Walter: und es wird immer schwieriger heutzutage, zu sehen, was ist real und was auf
Walter: die jetzige Jugend einströmt an Informationen, die zum Teil eben,
Walter: wie wir alle wissen, also Falschinformationen ist, nicht unbedingt absichtlich,
Walter: aber halt in enormer Menge.
Walter: Und da habe ich vor vielen Jahren einen Vortrag gehört in Berkeley,
Walter: von übrigens dem Autor, der das berühmte Jurassic Park Buch,
Walter: ursprünglich ein Buch, Michael Crichton, der hat einen Vortrag gehalten,
Walter: ich glaube im Commonwealth Club in San Francisco und den haben sie gefragt,
Walter: er soll darüber sprechen, was er für das größte Problem unserer Welt sieht.
Walter: Und dann hat er gesagt, zwischen Tools and Fantasy zu unterscheiden.
Walter: Und das ist seit den letzten 30 Jahren verstärkt worden. Ich habe da auch keine
Walter: Lösung, wie wir davon wegkommen.
Walter: Wir können nicht die Sachen, die wir erfunden haben, also die ganzen Kommunikationsmittel
Walter: inklusive der Handys und so, die können wir nicht wegschaffen. Das geht nicht.
Walter: Das ist unmöglich für die Menschen. Also wir können nicht etwas weg erfinden, sozusagen.
Walter: Wir können etwas erfinden, aber nicht weg erfinden. Wie man damit umgehen kann
Walter: in der Zukunft, man muss versuchen, damit zu leben. Ich glaube,
Walter: einen besseren Rat kann ich nicht geben. Verbieten geht nicht.
Evi: Vielleicht sollte dann zur Neugierde auch noch kritisches Hinterfragen dazukommen. Ja, freilich.
Walter: Aber das wird immer schwieriger. Nicht etwas, was einem berichtet wird,
Walter: einfach zu akzeptieren, sondern schon zu hinterfragen, so wie du das ausdrückst.
Walter: Also mehr als neugierig zu bleiben, wie etwas wirklich funktioniert.
Walter: Wie kann das sein, was da berichtet wird?
Evi: Hinter die Dinge zu blicken vielleicht auch, ja.
Walter: Ich sehe das eben an meinen, nicht nur an meinen eigenen Enkelkindern,
Walter: diese Generation, sondern auch bei anderen, die teilweise ja überleben,
Walter: wie sollen sie jetzt umgehen mit dem, was ihnen ständig geliefert wird.
Walter: Wie soll man dann verstehen, dass jetzt die Menschen wieder sich umbringen aus überall,
Walter: also dass wieder Kriege, wie kürzlich einer gesagt hat, seit 1945 hat es nicht
Walter: einen einzigen Tag auf der Welt gegeben ohne Krieg.
Walter: Keinen einzigen Tag, das ist schon eigentlich unglaublich.
Evi: Dabei habe ich jetzt wieder gelesen, um es ein bisschen positiver auszudrücken.
Evi: Wir hatten ja jetzt seit 1945 ja fast Urlaub von der Geschichte,
Evi: weil es ja jetzt in Europa so eine lange Friedenszeit gegeben hat.
Walter: Also ich sage immer wieder philosophische Überlegungen, aber für mich ist die
Walter: Europäische Union ein Wunder.
Walter: Dass sowas wirklich entstanden ist. Und mein Vater, der beide Weltkriege erlebt
Walter: hat, konnte sich das unmöglich vorstellen.
Walter: Dass man mit Ländern, die sich die Jahrhunderte lang die Feinde waren,
Walter: dass man da plötzlich aufhört, sich umzubringen.
Walter: Und eine Philosophie, die ich immer gern weitergebe, stammt von Bruno Kreisky,
Walter: der gesagt hat, Tod ist Tod, alles andere kann man richten.
Walter: Das ist ganz simpel wienerisch ausgedrückt. Und solange wir mit dem Umbringen
Walter: weitermachen, ist es schwer zu glauben, dass sich etwas wirklich ändern kann.
Walter: Aber das ist ja tatsächlich in der EU passiert.
Walter: Die meisten Länder bringen sich nicht mehr um, die früher jahrhundertelang Feinde waren.
Walter: Und das ist fast unglaublich, dass sowas tatsächlich passiert.
Evi: Und da haben wir doch einen schönen, positiven Befund, der uns vielleicht dann eben auch offen lässt.
Walter: Wirklich, man kann es wirklich so ausdrücken.
Walter: Ich akzeptiere die ganze komplizierte Bürokratie, die abläuft da in Brüssel.
Walter: Aber 27 Länder zusammenzuhalten, überhaupt, ohne dass sie sich wieder in die
Walter: Köpfe einschlagen, das ist doch ein unglaublich, ein echter Fortschritt.
Walter: Ob man das auf andere Länder übertragen kann, das weiß man nicht.
Walter: Europa hat da was wirklich Besonderes geleistet, vor allem also die Architekten
Walter: dieser Europäischen Union, da muss man wirklich bewundern, dass das möglich war.
Evi: Jetzt sind wir zum Schluss doch noch politisch geworden. Dabei wollten wir das ja gar nicht.
Walter: Wir sind alle politische Menschen, letztlich. Es geht ja gar nicht.
Evi: Am Ende ist es doch. Da kommen wir dann nicht raus. Vielen lieben Dank,
Evi: dass du dir heute die Zeit genommen hast mit mir.
Evi: Wir haben ja über Astronomie, Physik, Philosophie, nun sogar auch über Politik gesprochen.
Evi: Es war wirklich sehr, sehr spannend. Wir könnten noch lange weiterreden.
Evi: Wir sollten vielleicht einen eigenen Podcast machen, dann können wir noch über
Evi: die anderen Themen noch tiefer plaudern.
Evi: Jetzt bleibt mir nur so sagen, vielen lieben Dank.
Walter: Ich danke auch, Eva. Das ist für mich ganz toll, dass ich mal so eine Diskussion führen kann.
Walter: Sehr oft hören die Leute nicht zu, wenn ich meine Weisheit nicht gebe.
Walter: Ist auch verständlich, ja. Das verstehe ich auch nicht.
Evi: Danke für deine Einblicke. Es ist ja sehr spannend, weil wie gesagt,
Evi: du kannst ja schon auf sehr viele Sachen, auch Jahrzehnte der Forschung zurückblicken,
Evi: hast vieles wirklich auch erlebt von Anfang an, viel auch vom Zeitgeist, auch von damals.
Evi: Deswegen vielen lieben Dank, dass du das mit uns geteilt hast.
Walter: Okay, ich danke dir auch.
Evi: Das ist natürlich extrem faszinierend und jetzt habe ich die Frage vergessen,
Evi: und die ich dir noch stellen wollte.
Evi: Vor allem, wenn du gesprochen hast, habe ich mir gedacht, wenn du jetzt dann
Evi: fertig ausgesprochen hast, dann frage ich das noch.
Evi: Aber das ist mir jetzt gerade wieder entfallen, aber egal.
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